So ganz normal waren Mägo De Oz ja noch nie. Rein objektiv betrachtet huldigen sie wie ihre Landesgenossen Tierra Santa zwar den 80ern, sind aber recht weit von typischem maiden-inspirierten Traditionsmetal entfernt und passen erst recht nicht in eine Schublade mit den Massen der Italo-Metal Welle.
Ihre spezielle Duftnote setzen Mägo De Oz nämlich durch teils wunderschöne, teils originelle (und manchmal beides zusammen) Folk-Passagen, die sich problemlos in den Gesamtsound integrieren.
Mit Obertura MDXX lassen es die acht Musiker erstmal entspannt und atmosphärisch angehen, um dann mit dem 11-minütigen Titeltrack Gaia so richtig in ihr Konzeptalbum einzusteigen. Das Stück beginnt mit ruhigem Piano, seelenschmeichelnder Flöte und wehmütigem Gesang. Dann setzen die wuchtigen E-Gitarren ein und erzeugen gediegene Midtempo-Dramatik. Dann geht das ganze in eine folkloristische Instrumentalabfahrt über - die 11 Minuten vergehen wie im Fluge, werden nie langweilig und zeigen gleich am Anfang das ganze musikalische Spektrum von Mägo De Oz.
"Gaia" steckt voller Melodie und Frische. Violine, Flöte und E-Gitarre brillieren mit Soli und zeigen, daß hier keine reine Jahrmarkt-Kapelle folkloristische Mithüpf-Stückchen abliefert, sondern daß richtige Musiker mit Gespür für feine Arrangements am Werk sind.
Gesanglich ist im Großen und Ganzen auch alles im grünen Bereich, wobei Sänger José seine wahren Stärken in tieferen Passagen ausspielen kann - die hohen Töne sollte er vielleicht lieber sein lassen, denn hier liegt er das eine oder andere Mal neben der Spur. Solche Momente sind aber glücklicherweise selten; ansonsten überzeugen die Gesangsmelodien mit ihren spanischen Texten durchaus.
Erwähnenswert wäre neben dem durchgehend gutklassigen Material noch das ebenfalls über 11 Minuten lange La Venganza De Gaia, das instrumental im Verlauf richtig progressive Züge annimmt und einen würdigen Abgang für ein erfrischendes Werk darstellt.
FAZIT: Für den Freund folkigen Metals eine unbedingte Empfehlung - auch als Einstiegsdroge in dieses Genre zu empfehlen. Laßt euer Geld nicht bei der Vielzahl südländischer Galoppel-Riff-Kapellen, sondern unterstützt diese originelle Band!
Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.01.2008
Sergio Martínez
José
Carlitos, Frank
Sergio Cisneros, José
Txus di Fellatio
Mohamed (Violine), Fernando Ponce de León (Flöte)
Locomotive Music
72:41
2003