Zurück

Reviews

Sylvan: X-Rayed

Stil: Progressive Rock

Cover: Sylvan: X-Rayed

Neo-Prog...schmeißen wir zu Beginn einen Begriff in den Raum. Dumme Schubladisierung, aber es klingt zumindest frisch, was die Nordlichter Sylvan hier verzapfen, wenn auch nicht so "neu" wie das Präfix uns weismachen will. Sind zwar auch schon über zehn Jahre dabei, die Herren, doch sie stehen gut neben den letzten Veröffentlichungen besonders der britischen Vertreter der Gilde vom Stachelschweinbaum oder kastrierten Silmarillion.
Die im Progressiv-Bereich fast schon Standard gewordenen Samples von Radiosprechern u.ä. lassen meist auf ein Albumkonzept schließen. Gebt mir noch Songs, die erst nach 13 Minuten über die Ziellinie kriechen, und es besteht kein Zweifel mehr. Da mir keine Texte vorliegen, kann ich dazu nichts weiter sagen, als dass es emotional zugeht. Der Gesang hat den Kontrastreichtum Gildenlöwscher Prägung, während die Musik nicht ganz so stark von Stimmungswechseln durchzogen ist wie bei Pain Of Salvation. Geschmackvolle Basslinien, dezent-synthetische Klänge und seltene gitarristische Ausbrüche bestimmen das Bild. Bei der fast ausgereizten CD-Maximalspielzeit können sich Sylvan dann auch nicht des Vorwurfs der Langatmigkeit erwehren – nicht weil die Qualität im Verlauf schwindet, sondern die Aufmerksamkeitsspanne des Hörers. Wären alle Titel so geschickt dynamisch aufgebaut wie etwa der Opener So Easy oder kompakt wie Today, wäre die Spielzeit gerechtfertigt. Vielleicht ist sie das auch in Begleitung des Booklets und der Texte unter einem Kopfhörer. Dem Anspruch des Konzepts wird die Band durchaus gerecht, denn das bloße Hören der Scheibe lässt keine Gedanken an musikalische Überambitioniertheit aufkommen. An den Refrains hängt man sein Ohr fest, damit nach mehrmaligem Hören auch das Hirn mitgezogen wird. Dass auch noch Herz und Körper mitgehen, gelingt mir trotz aller Ausdruckskraft persönlich (noch) nicht – ist’s die norddeutsche Unterkühltheit?

FAZIT: Laut Promo hat man selten so eine ehrliche Platte gehört...da kann man sich alles und nichts darunter vorstellen. Fest steht, daß das Handwerk gekonnt und die Produktion sehr transparent ist. Gerade die langen Songs sind passagenweise gelungen, das Soundscapehafte muss man sich indes wegdenken/-skippen, um ein gelungenes Album im Dunstkreis der besagten Bands zu genießen - auch mit dem bekannten Gefühl vom Mehr, das ein Weniger sein sollte...

Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.02.2008

Tracklist

  1. So Easy
  2. So Much More
  3. Lost
  4. You Are
  5. Fearless
  6. Belated Gift
  7. Today
  8. Through My Eyes
  9. Given - Used – Forgotten
  10. This World Is Not For Me

Besetzung

  • Bass

    Sebastian Harnack

  • Gesang

    Marco Glühmann

  • Gitarre

    Kay Söhl

  • Keys

    Volker Söhl

  • Schlagzeug

    Matthias Harder

Sonstiges

  • Label

    Point Music

  • Spieldauer

    68:45

  • Erscheinungsdatum

    2004

© Musikreviews.de