Es heißt mal wieder: Kunst oder Käse? Die ausdauernden Franzosen mit dem komischen deutschen Namen musizieren am Rande des Hörbaren. „MoRT“ klingt wahlweise nach leiernder Freeform-Platte und Ambient oder purem Geräusch. Durchzogen werden die ineinander übergehenden Kapitel von dunklen Beschwörungen und angedeuteten statt ausformulierten Motiven. Nur langsam schälen sich Fast-Melodien heraus; Kakophonie und Dissonanz eignen sich eher zur Kategorisierung. Ab Track drei gesellt sich ein metallisches Zischen hinzu – die Verstörung nimmt groteske Züge an und stellt den Hörer vor eine Zerreißprobe: man weiß nicht, ob man sich verarscht oder angegriffen fühlen soll. Die Zeit vergeht in lo-fi und ohne erkennbare Strukturen, auch wenn die Drums, beziehungsweise das, was hier den Takt andeutet, lebhafter werden. BLUT AUS NORD sind wie ein Medikament. Der Patient weiß nicht, was genau drin ist, aber es wirkt. Ich würde es allerdings nur auf Rezept nehmen, denn Beklemmung bekomme ich bei Betrachtung der täglichen Newsmagazine frei Haus.
FAZIT: Das Geld für die regelmäßige Dosis Weltangst geht entweder an die GEZ oder BLUT AUS NORD – entscheiden sie selbst. Das hier schlüpft unter dem Bewertungsraster durch wie ein Gebührenpreller.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.01.2008
Vindsval, W.D. Feld, GhÖst
Candlelight/Soulfood
47:14
2006