Sporadisch ist diese DVD aufgemacht. Es stehen entweder die Tracks einzeln oder als Gesamtfilm zur Auswahl – Extras und Sound- oder Bildeinstellungen fehlen und sind auch unnötig, da das Archivmaterial wechselnde, aber stets annehmbare Qualität hat und größtenteils wohl nicht für einen DVD-Release aufgenommen wurde.
King Fowley von Deceased und October 31 betreibt das Label Old School Metal Records und hat sich schon in der Vergangenheit um das Vermächtnis der US-Thrasher aus der zweiten Popularitäts-, aber nicht Qualitätsreihe gekümmert. Lääz Rockit haben einige Klassiker ihres Genres geschrieben und standen für dessen melodischere und ausgefeiltere Entwicklungsstufe ab Mitte der Achtziger. Die hier versammelten Livemitschnitte stammen aus unterschiedlichen Perioden und werden von Interviewschnipseln und Impressionen abseits der Bühne unterbrochen. Ob dies stört oder die doch eher statische Headbanging-Show kurzweiliger gestaltet, liegt im Auge des Betrachters, der natürlich in erster Linie Fan der Truppe sein sollte. Neueinsteigern empfiehlt sich nämlich der Backkatalog der Band.
Die Songauswahl erweist sich durch die vielen Überschneidungen als der Band unwürdig, doch was tun, wenn die eigene Videokiste nicht mehr hergibt? Folglich überwiegen die Stücke der Reunion-Konzerte vom letzten Jahr, bei denen teilweise die Haare fehlten, nicht jedoch der Lack der Musik ab war. Die Band wirkt außerdem sympathisch und meint es ehrlich, wenn sie sich beim Publikum bedankt, noch einmal solch ein Feedback zu bekommen. Die Karriere der Kalifornier war bekanntlich durch Unbeständigkeit gekennzeichnet und endete mit dem Thrash-Boom vorzeitig. Dazu passt, dass ihr Sound mit der Zeit etwas den Schneid vermissen ließ – eine Identitätskrise, mit der sich viele Bands konfrontiert sahen, weshalb auch nur wenige wirklich übrig blieben.
Auch wenn solche Reanimationsunternehmen stets nach alten Herren auf Kaffeefahrt riechen, ist diese keine zwei Stunden lange DVD zumindest für Eingeweihte ihr Geld wert. Die Zwischensequenzen beleuchten kurz einige ausgestorbene Bay-Area-Kultclubs und widmen sich dem verstorbenen Exodus-Shouter Paul Baloff; die Songs der Japan-Auftritte und aus Eindhoven (der Name des Clubs ist entgegen der Tracklist allerdings Effenaar) kämen geordnet vielleicht besser zum Zuge. Die anvisierten Käufer wird das nicht stören, und für alle anderen ist dieses Undergroundprodukt sowieso keine Investtion.
FAZIT: Nett gemeinte DVD für Liebhaber. Wäre VHS noch zeitgemäß, hätte eine Kassette gereicht und dem low-budget-Stoff Recht getan.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.02.2008
Scott Dominguez
Michael Coon
Aaron Jellum, Scott Saregant
Dave Chavarri
OSM Records
180:00
2006