Das vierte Album der Band um Jörg Knittel bietet den erwarteten Sound: Death Metal, weder zu stumpf, noch mit technischem Firlefanz versehen; was angesichts der unoriginellen Ausrichtung (Kriegsstilisierung und weit entfernte Tellerränder) stimmen muss, sind demnach die Songs.
Wir betreten das Schlachtfeld zu spröde-simplen Melodien, die hauptsächlich auf Doublebassrhythmen und wenig vordergründiges Geknüppel gründen. Simpers Organ ist dumpf-monoton, aber artikuliert – besonders im Pre-Chorus, den er keifend vorträgt; damit kommt dem Hauptrefrain eine geringere Aufmerksamkeit zu. Doch ja, „Enter combat / This is your death” bleibt im Kopf, wie auch die kurz eingeblendeten Kriegsgeräusche. „When the smoke has settled / see what’s left behind“ fragt man sich danach: die Feststellung, dass der Aufbau dem Opener folgt, nur Tempo-mäßig ein Gang hochgeschaltet wurde. Wieder sticht die gekrächzte Überleitung zum Refrain hervor. Dasselbe gilt für „Bow Before Me“, wo Gitarren-Obertöne die Hoffnung auf nuancierteres Spiel erwecken.
Siehe da, kein Pre-Chorus im vierten Song, dafür ein kurzes, gar zweistimmiges Lead und ein treibender Gesamtcharakter. My Darkest Hate steigern sich nun zunehmend: „They Shall Fall“ bietet eine interessante Drumfigur mit tackernder Snare bei gleichzeitig langsamem Grundbeat. Hooks bietet nicht bloß das gewohnte Refrain-Vorspiel. Stakkatoriffs lautmalen Maschinengewehrsalven. Bleibt das Schema auch gleich, baut die Gruppe im nächsten Stück eine Harmony-Bridge ein - zwar etwas eindimensional, jedoch um ein ausgedehntes und erstaunlich gefühlvolles Solo bereichert. Man blendet aus, als wolle man sich dafür entschuldigen...
Deshalb regiert in „Fall of Eden“ gleich der eins-zwei-AC/DC-Beat; kein Hit trotz naheliegender Six-Feet-Under-Referenzen. „Under My Wing“ lässt wieder mehr Freude aufkommen, weil die Gitarristen sich ins Zeug legen, und auch solistisch für Abwechslung sorgen möchten. Eine energetische Walze hält die Euphorie aufrecht; was im vorletzten Stück mit Slayer-Saitenjaulen beginnt (inklusive einleitendem Verweis: „In den Abgrund“), gipfelt im längsten Stück „Under One Flag“ in völliger Hommage an die unheilvoll-langsamen Tracks von Araya und seiner Kirchengemeide.
Kann diese Musik für sich alleine stehen? – Nein, sie nutzt sich nach wiederholtem Hören ob ihrer Durchschaubarkeit ab. Außerdem wird vermieden, Knittels Vergangenheit im Promoschreiben offen zu legen: Variety Of Arts, Tragedy Divine und Sacred Steel könnten den Todespuristen irritieren. Der möchte nämlich „the same old“, und dies bekommt er in gut 40 nicht gänzlich überzeugenden Minuten
FAZIT: Die Bolt-Thrower-/Obituary-/Vader-gedrosselt-Fraktion kann zu den Waffen greifen, die restlichen Truppen ziehen weiter, denn ohne ihre illustren Hauptmänner wäre diese Kompanie kaum der Rede Wert.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 16.01.2008
Oliver Schort
Chris Simper
Jörg M. Knittel, Oliver Grosshans
Klaus Sperling
Massacre / Soulfood
39:20
2006