Von der breiten Masse wird die Band um Frontmann Jimi Jamison und Mitbegründer Frankie Sullivan aufgrund der langen Abstinenz ja mittlerweile eher stiefmütterlich behandelt. Hits wie “Can´t Hold Back“ und natürlich “Eye Of The Tiger” und “Burning Heart” aus den Rocky-Filmen kennt jeder, aber mit dem Bandnamen kann heutzutage kaum noch jemand etwas anfangen. Egal, bei den Eingeweihten dürfte der Fünfer aus Chicago immer noch als eine der führenden AOR-Größen der 80er im Gedächtnis geblieben sein.
Nun ist die Band also erstmals seit dem “Too Hot To Sleep”-Album von 1988 fast wieder in ihrer erfolgreichsten Besetzung zurück und diverse Zwistigkeiten (u. a. um den Bandnamen) scheinen beigelegt. Das letzte erfolgreiche Lebenszeichen von einem der hier Beteiligten erschien dann ja 1999 auch noch unter dem Namen JIMI JAMISON´S SURVIVOR, das mit dem Baywatch-Titelsong „I´m Always Here“ vom „Empires“-Album den letzten Hit hervorgebracht hat.
Allerdings fehlt neben Original-Sänger Dave Bickler (der Jimi Jamison aber eh nie das Wasser reichen konnte) auch immer noch der ehemalige Mit-Songwriter Jim Peterik (jetzt u. a. PRIDE OF LIONS). Neben Ur-Drummer Marc Droubay und Keyboarder Chris Grove wäre abschließend noch Barry Dunaway (Ex-DOKKEN, MALMSTEEN) als Neuzugang am Bass zu vermelden, der aber, um es vorwegzunehmen, von seinen ehemaligen Bands keinerlei Einflüsse mitgebracht hat.
Mit dem Titelsong hat man gleich einen perfekten Einstand erwischt. Bei mir ist es die unverkennbare Ausnahmestimme, die mich ab dem ersten Ton gefangen und sofort mit auf die Zeitreise nimmt. Der Mann kann es halt. Von Alterserscheinungen keine Spur. Der Song ist Stadion-Mitsing-Rock pur und hätte auf jedem älteren SURVIVOR-Album stehen können.
So geht es dann auch mit dem folgenden „Fire Makes Steel“ weiter, und Songs wie „Gimmie The World“, „Talkin´ ´bout Love“ oder „Don´t Give Up“ sind ebenfalls vom gleichen Kaliber. Das ist der Sound, der SURVIVOR früher so erfolgreich gemacht hat. Absolut erstklassiger AOR.
Was zu meckern gibt es dann aber allerdings auch. Denn mit gleich fünf lupenreinen Balladen ist mir die schmusige Seite der Band doch eindeutig zu überproportioniert vertreten, und das viel zu poppige „Nevertheless“ mit seinem klebrigen Schunkel-Refrain ist für mich gar ein echter Reinfall.
Mir fehlt hier insgesamt gesehen bei aller Schwärmerei für die Trademarks einfach zu häufig der Rock. Die Band war zwar bekanntlich auch früher schon recht soft, aber irgendwie gab es damals dann doch noch etwas öfter mehr von den Gitarren zu hören. Und genau dann war die Band auch am besten.
Aus diesem Grunde würde ich die oben bereits erwähnte „Empires“-Scheibe (trotz der Mogelpackung beim Namen) diesem Werk jederzeit vorziehen, wenn ich meinen Ohren mal eine Metal-freie Pause verordnet habe.
Jegliche Songs sind hier erwartungsgemäß radiotauglich (auch wenn man heutzutage natürlich weit neben dem Mainstream liegt), ein herausstechender Hit, der zum Überflieger werden könnte, scheint diesmal allerdings zu fehlen - oder er hat sich mir noch nicht erschlossen.
Ein gelungenes, wenn auch sehr durchwachsenes Comeback, das im Großen und Ganzen erfüllt, was die Verpackung verspricht. Denn meines Erachtens hatte bisher noch jedes SURVIVOR-Album neben großartigen Songs auch immer seine Schwachpunkte.
FAZIT: Trotz langer Pause nichts neues im SURVIVOR-Lager - und genau auf diesen Stoff haben die Fans des gereiften AOR wohl gewartet. Alle, bei denen die Bandklassiker noch nicht neben den LPs von FOREIGNER und JOURNEY verstaubt im Keller liegen, können daher bedenkenlos zuschlagen.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.02.2008
Barry Dunaway
Jimi Jamison
Frankie Sullivan
Chris Grove
Marc Droubay
Frontiers Records
54:00
2006