Wenn das Brüllkreisch-Frontduo etwas von “massive killing capacity” und “show no mercy” verzapft, dann weist es den Weg zur Stilbeschreibung ihrer Band, falls man den Albumtitel auf dem Cover überlesen hat. Die dortige Ken-Kelly-Hommage mit gesichtslosem Metalkrieger mutet wie eine Vorwarnung an: Nichts Neues aus Norwegen.
In der Tat ist der blutige Sturm nichts weiter als typisch skandinavischer Death-Thrash. Die Riffs sind meist Nullachtfuffzehn innerhalb statischer Akkordprogressionen. Häufig laufen die Stücke nach dem Konzept Thashbeat-Midtempobridge-Thrashbeat ab. Faust ist zumindest am Schlagzeug kein Mörder – sein Drumming ist einfallslos, reicht aber für diese Musik aus, zumal die Gruppe nicht auf allzu viele Doublebass-Passagen setzt und so die programmatische Energie des Genres reproduzieren kann. Prinzipiell könnte die Chose auch der Metalcore-Fraktion gefallen, da beide Stilistiken einander immer ähnlicher werden: Die Aggression ist ebenso stets vorhanden wie ein bestimmtes spielerisches Niveau. Bloß ist das Resultat meist nur pfützentief und reicht niemals an die Intensität der Pioniere heran – ganz zu schweigen von deren teilweise beachtlichen instrumentalen Qualitäten. Ein Sack voller schwacher Singlenote-Riffs reicht eben nicht für eine Killerscheibe aus.
BLOOD TSUNAMI fegen mit dem Faustrecker „Infernal Final Carnage“ und dem Slayer-Ripoff am Ende von „Torn Apart“ gerne die Ungläubigen hinfort. Dabei wirken sie selbst nicht wie leidenschaftliche Verfechter ihrer Lehre, sondern wie Szenegänger, die dazu gehören möchten. Mit sinnfrei aneinandergereihtem Vokabular aus der Metalkiste bettelt man dann um Akzeptanz. Dafür, dass dieses Debüt musikalisch nicht weiter ärgerlich macht, sorgen die Gitarren im Melodie- und Solobereich, denn Pete und Dor bedienen ihre Klampfen mit ebensolcher Sorgfalt, wie sie der Zielgruppe ihr Image auftischen. Neben klassischem Metal gehen die Beiden eher durch die Hammett-Schule, als Kerry King nachzueifern. So wirft die Platte doch einige eindringliche Momente ab – etwa im vorletzten Track, einem zehnminütigen Instrumental, sowie dem melodieverliebten Rauswerfer „Killing Spree“.
FAZIT: Überraschungsfreier Thrash mit phasenweise engagierter Gitarrenarbeit, der nur auf Grund des Taktgebers beim entsprechenden Label untergekommen ist. Nochmal: Metal um seiner Selbst Willen tut sich nichts Gutes an...Hören und vergessen.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.01.2008
Bosse
Pete, Bosse
Pete, Dor
Faust
Candlelight/Soulfood
42:58
2007