Diese deutsche Gruppe hat schon in der Vergangenheit bewiesen, dass melodischer Death Metal skandinavischer Prägung nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner mit den Referenzbands dieser Gattung gebracht werden muss, um zu überzeugen. Auch auf ihrem aktuellen Album werden BURDEN OF GRIEF nicht zum Klon von At The Gates und Konsorten, sondern umgehen weitgehend die peinvoll anzuhörenden, am stärksten ausgefransten Muster des Genres.
Schon in der Einleitung macht sich Wehmut und Sehnsucht im melodiösen Gestus breit, was sich im entgegen der Gepflogenheiten wenig geradlinig gestalteten Opener fortsetzt. Erst „Swallow The Sun“ ist von treibendem Charakter, doch die Melancholie bleibt bestehen. Eher finnische Vertreter der eingeschlagenen Richtung scheinen Pate gestanden zu haben: Sentenced oder Insomnium, die vor kurzem in ähnlicher Weise vorstellig wurden. Dies bedeutet, dass „Death End Road“ vollkommen überraschungsfrei tönt, in seiner Vertrautheit allerdings nicht schal schmeckt. Im Gesangsbereich liegt das Defizit der Einförmigkeit; dagegen nimmt man das konstant angewandte Rezept wohlwollend hin, mit dem BURDEN OF GRIEF ihre Hooks zurechtbiegen: Verständliches Kreischen einiger griffiger Worte mit Unterlegung melodiöser Gitarren – fertig ist der Chorus.
Hinsichtlich der spielerischen Ausgestaltung wäre mehr Spannung im Lead- und Solobereich – quasi nicht vorhanden – erwünscht, wohingegen die Riffs überzeugen – auch, wenn Hanfland und Rudolph von Modern-Thrash-Elementen Gebrauch machen, zum Beispiel bei „The Killer In Me“. Schön sind auch die kleinen Einzelheiten, die von sorgfältigem Songwriting zeugen, wie hier das leicht modifizierte Gitarrenthema in einem der späteren Refrains. Am Ende von „The Game“ verschiebt Drummer Robrecht auch einmal seine Beckenschläge im ansonsten rhythmisch eher hausgemachten Kontext.
Gen Ende, bei der zweiten Gitarre in „Passion Of The Night“, schleichen sich Opeth zuzuweisende Stilmittel hinsichtlich der Harmonien ein. Der letzte Song hingegen arbeitet mit Flüstertönen noch näher am melancholischen Abgrund und greift den Plattentitel im Text erneut auf. Als Bonus bekommt der Hörer zwei Neuvertonungen älterer Stücke, welche noch durchgehend vehemente nach-Vorne-Stürmer sind – also eher im Schwedischen zu verorten.
Wenn einige der Stücke weniger als fünf Minuten lang wären, täte das dem Album noch besser; so bleibt es eine grundfeste Darbietung mit nie eine bestimmte Qualitätsgrenze unter- wie überschreitenden Songs.
FAZIT: BURDEN OF GRIEF sind eine gute Melodic-Death-Metal-Band für Freunde des Genres. Wer Aufregung und Neues sucht, sollte in andere Gruppen investieren.
Punkte: 8/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.01.2008
Florian Bauer
Mike Huhmann
Philipp Hanfland, Johannes Rudolph
Sebastian Robrecht
Remedy/Soulfood
52:42
2007