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Spellbound: Nemesis 2665

Stil: Thrash Metal

Cover: Spellbound: Nemesis 2665

Urlaub in San Franciscos Buchten scheint unter Deutschthrashern in zu sein. Nach Abandoned vergehen sich nun auch SPELLBOUND an der Edelvariante des Stils. Auch verwechseln sie offenbar das Dreschen mit dem Abgedroschenen.

„Nemesis 2665“ ist, pauschal gesagt, eine Tributplatte mit Eigenkompositionen auf minderwertigerem Niveau. Von Testament über Forbidden bis Exodus – hier vor allem ob des räudigen Gesangs und der abschließenden Coverversion von „And Then There Were None“ – könnte man sie alle anführen und SPELLBOUND damit glorioser erscheinen lassen, als sie es letztlich sind. Klar ist die Energie vorhanden, das Spiel gekonnt und der Sound angenehm ungekünstelt (Andy Classen), doch Letzteres kann man vom Songwriting und der Attitüde eben nicht sagen. Es sind emulierte Gesten und bekannte Strukturen, welche aufgesetzt, beziehungsweise ausgereizt werden, obwohl sie bereits bis Ultimo zuvor angewandt wurden. Das Feeling ist damit nicht authentisch, sondern ebenfalls nachgemacht.

Stört man sich an all diesem nicht, bekommt man abwechslungsvolle Lieder ohne bandeigene Markanz, aber im altvertrauten Sound. „Perinicious Alliance“ macht die Ausrichtung klar – coole Shout-Parts und kurze Midtempo-Bridge a la Slayer übrigens. Schön sind auch die ausgetüftelten Solosektionen der Gitarristen, nach alter Schule etwa in „Unsacred“, oder extensiver wie im vorangehenden Stück. Davon lassen SPELLBOUND auch insgesamt nicht ab, wohingegen die rigide Standortbestimmung hinsichtlich Sound und Dynamik das Album letzten Endes schnell verschleißen. Ein ruhiges Intro zu „Mindfucked“ tritt diesem Faktum nicht entgegen. Andererseits überrascht dann der offizielle Abschluss Nemesis als ungewohnt melodischer Track mit etwas „screamy“ Vocals. Wieso geschieht derlei Aufbrechen des eigenen Klangpanzers erst so spät?

FAZIT: Amerikanischen Thrash aus deutschen Landen ohne eigene Identität, aber kompetent dargeboten von SPELLBOUND, ist auf „Nemesis 2665“ einerseits mit zu wenigen memorablen Tracks ausgestattet, gibt dem Hörer andererseits aber eine vertraute Umgebung zum Zerlegen des eigenen Mobiliars - Treibend, strukturell im gegebenen Rahmen variabel sowie rettungslos ehrlich – und daher wiederum zu brav und restriktiv.

Punkte: 10/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 02.02.2008

Tracklist

  1. Perinicious Alliance
  2. Demons Deadly Sins
  3. Unsacred
  4. Look Through The Wall
  5. In Mourning
  6. Mindfucked
  7. The Sharks Voracity
  8. Back In The Thrash
  9. Celestial Death / Nemesis
  10. And Then There Were None

Besetzung

  • Bass

    Hannes Jäger

  • Gesang

    Dave Maier

  • Gitarre

    Dave Maier, Daniel Tschoepe

  • Schlagzeug

    Andy Flache

Sonstiges

  • Label

    Armageddon/Soulfood

  • Spieldauer

    52:21

  • Erscheinungsdatum

    2007

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