„Believers & Deceivers“ ist das dritte Album der schwedischen Formation BRIGHTEYE BRISON. Vier Stücke bei fast 70 Minuten Laufzeit, das heißt automatisch was? Richtig - Longtracking ist angesagt! Zwei voluminöse Stücke werden aufgefahren, eins von 20 Minuten und das andere 35 Minuten lang. Bleibt zu hoffen, dass die Band den langen Atem besitzt, die beiden Lieder über die gesamte Laufzeit zu tragen. Nicht ganz, denn natürlich hätte man die Longtracks straffen müssen, im Gegenzug den beiden kürzeren Stücken ein wenig mehr Substanz auf den Weg geben können.
Trotzdem ist „Believers & Deceivers“ ein äußerst gelungenes Stück Musik und eine bunt gemischte Wundertüte für interessierte und offene Retro-Prog-Hörer, die auch jazzigen und poppigen Momenten etwas abgewinnen können, geworden. Die Band führt zahlreiche Verweise auf, das einem schwindlig werden kann: in den beiden kurzen Einstiegssongs finden sich GENTLE GIANT, mittlere GENESIS, KANSAS, UK und unbeschwerte FLOWER KINGS wieder; die beiden langen Elogen lassen Erinnerungen wach werden an YES (ein Schelm, wer beim Einstieg in „The Harvest“ an „Parallels“ und „Awaken“ denkt), die frühen GENESIS (natürlich – man achte mal auf das Drumming, bzw. den gesamten Mittelteil von „The Harvest“), VAN DER GRAAF (Saxophon), holländischen Prog (SOLUTION, EARTH & FIRE), CAMEL (insbesondere „Snow Goose“) und tatsächlich GRBOSCHNITTs „Rockpommels Land“ (im letzten Drittel von „The Grand Event“).
Doch bei all den Zitaten und hymnischem Versinken in progressiver Nostalgie behalten BRIGHTEYE BRISON ihre eigene Identität, die zwar nicht sonderlich innovativ, aber selbstbewusst in sich selbst ruhend, ein buntes Feuerwerk auffährt. Ob es zündet oder nur schmauchige Schatten an die Wand wirft, muss jeder Hörer selbst entscheiden. Mir gefällt das Album; eine wohlausgewogene Produktion, bei der es auf der Reise in die Vergangenheit viel zu entdecken gibt.
FAZIT: Mit „Believers & Receivers“ liefern BRIGHTEYE BRISON ein gleichzeitig hoffnungslos konservatives wie bestrickendes Album ab. Da ist nichts neu, aber alles wird so gespielt, als ob es das neuste und weltbewegendeste wäre, was die heutige Musik aufzufahren hat. Äußerst gefühliges und üppiges Album, bei dem es viel über die (eigene) Vergangenheit zu erfahren gibt.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.06.2008
Kristofer Eng
Kristofer Eng, Linus Kåse, Per Hallman
Johan Öijen, Per Hallman
Linus Kåse, Per Hallman
Erik Hammarström
Kristofer Eng (Taurus Pedals, Theremin, Mandoline), Linus Kåse (Saxophon), Daniel Kåse (Xylophone, Trumpet)
Progress Records / Just For Kicks
68:04
30.05.2008