Gute Grind-Alben erkennt man daran, dass man beim durchskippen von selbst zweiminütigen Songs etwas verpasst – so geschieht es auch auf “Cycles”, wenn auch nicht durchgehend.
Die vorangegangene EP „Consume To Contaminate“ hatte die apokalyptischeren und griffigeren Stücke parat, während sich die neue halbe Stunde vor allen Dingen mit den längeren (der Minuten höchstens dreikommafünf) Tracks ins Gedächtnis brennt; der Rest macht allerdings auch nicht vor der Stirnwand halt, denn totale Trümmer-Orgien wie die beiden Eingangsstücke oder „Deceit“ – immer mal wieder von krustigen, punkigen Rhythmen durchdrungen – schlagen böse Löcher und brechen Knochen. Wenn Keijos Stimme bisweilen noch verzerrt wird, driften ROTTEN SOUND fast in Noise-Regionen ab. Es bleibt allerdings stets gleichsam im Death Metal verankerter Grind, in dem sogar kurze Gitarrensoli („Blind“, „Decimate“) nicht fehlplatziert sind.
Wie gesagt, wenn die Finnen sich etwas mehr Zeit lassen, geraten ihre Eruptionen unterscheidbarer. Melodien sind natürlich nicht zu erwarten (Ausnahme: „Trust“ ist beinahe elegisch), so dass rhythmische Abwechslung Maxime sein sollte, wenn ein Album in dieser Stilistik dauerhaft ansprechen will. „Cycles“ bietet dies durchweg; den Wiedererkennungsfaktor verringern allerdings die nicht immer außergewöhnlichen Riffs, die eigentlich wichtig sein sollten, so man einer Band echte Ideen hinter ihren Kompositionen attestieren möchte. Andererseits: Grindcore lebt vom Moment und ist intensives, negatives Gefühl, unmittelbar in Sound umgesetzt – quasi der Jazz des kleinen Mannes: linke Lyrik inklusive.
FAZIT: Dünnschiss aufs System – ROTTEN SOUND hauen einmal mehr edlen 30-Minuten- Hass in den Grind-Topf, der in der Post-Nasum-Zeit überwiegend musikalische wie thematische Magerkost enthält. Nicht nur Trüffel, aber garantiert keine schimmligen Songs befinden sich auf „Cycles“, das niemanden bekehren, aber auch keine bisherigen Fans zu Kostverächtern machen wird.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 31.01.2008
Toni Pihlaja
Keijo Niinimaa
Mika Aalto
Sami Latva
Spinefarm/Soulfood
33:59
2008