BREATHING SPACE, ein Ableger der englischen Prog-Pop-Band MOSTLY AUTUMN, wurden von deren ehemaligen Keyboarder Ian Jennings gegründet. Und auch hier tritt das gleiche Problem zu Tage, welches MOSTLY AUTUMN besonders auf ihren letzten Alben verfolgt: man neigt zu allzu seichten Melodien und unspannenden Songs und verlässt sich zu sehr darauf, dass man ja schließlich eine „Progressive Rock“-Band sei.
Steigt man tiefer in das zweite Album von BREATHING SPACE, „Below the Radar“ ein, umschließt den Hörer ein Mantel aus MARILLIONscher Melancholie, klassischen Progeinflüssen (E-Orgel, Gitarrensoli, sonstige Keyboards) und zarter Frauenstimme (Olivia Sparnenn, ebenfalls M.A., am Mikro).
Der Titeltrack geht sofort rockig ins Rennen, täuscht dafür gewaltig über den Eindruck des restlichen Albums hinweg. Zur Mitte hin flaut die Stimmung nämlich immer mehr ab, die Melodien mit starker MIKE OLDFIELD-Schlagseite werden spätestens ab „Run From Yourself“ sehr eingängig - so eingängig, dass die Lieder sauber durch das eine Ohr hindurchgehen und aus dem anderen wieder herausflutschen. Viel bleibt also letztlich nicht hängen, zum Leidwesen aller MOSTLY AUTUMN-Fans.
Man hätte speziell aus „Drowning“, „Clear“ oder dem Lichtblick „Questioning Eyes“ gute Songs basteln können, hätte man in die eigentlich starke Instrumentalarbeit mehr Power hineingelegt und der Sängerin mehr Dynamik verliehen. So allerdings lösen sich interessante Ideen im Dunst neoprogressiven Schönklangs auf.
Doch um eine Lanze für BREATHING SPACE zu brechen: Die Scheibe eignet sich perfekt, wenn in weiblicher Gesellschaft Ratlosigkeit herrscht, mit welcher Scheibe man(n) die Anlage füttern soll. „Below the Radar“ hält den Spagat zwischen „Easy-Listening“ und Sympho-Prog gekonnt aufrecht und wirkt zu keiner Zeit störend oder aufdringlich. Ob Manko oder Vorteil soll jeder selbst entscheiden...
FAZIT: „Below the Radar“ ist nach dem selbstbetitelten Debut von BREATHING SPACE in der Gesamtheit rockiger ausgefallen, die Trademarks bleiben aber weiterhin bestehen: MOSTLY AUTUMN mit MIKE OLDFIELD-Feeling, MARILLION-Gewimmer und Frauengesang. Das Album bleibt über weite Strecken im Durchschnittsbereich, da leider zu wenig geboten wird – Melodien und Dynamik haben Waschlappenniveau, die Grundlage hat Potential, dieses wurde aber nicht ausgeschöpft. Also Vorsicht beim Kauf; Fans von MOSTLY AUTUMN kennen BREATHING SPACE wahrscheinlich schon und werden sich „Below the Radar“ sowieso besorgen. Jedem das Seine wie gesagt.
Erhältlich über www.justforkicks.de
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.10.2009
Paul Teasdale
Olivia Sparnenn, Ian Jennings
Liam Davison, Paul Teasdale
Ian Jennings, Ben Jennings
Barry Cassells
Independent / Just For Kicks
50:49
18.09.2009