Wer MORTIFICATIONs Doppel-DVD gesehen hat, relativiert seine Meinung über die Australier gegenüber der allgemeinen Rezeption als Christen-Death oder gar -Grind (wie Nuclear Blast sie zu "Scrolls of the Megilloth"-Zeiten bewarben). Die Kirchenbankdrücker sind - vor allem seit Steve Rowes Genesung vom Krebs - mehr Primitiv-Thrash denn je. Nur die Metal-historische Beschlagenheit, die der Frontmann in seiner Videodokumentation an den Tag legt, möchte sich in der Musik nach wie vor nicht niederschlagen.
Christlicher Hardrock und technisches Gefiedel im Namen des Herrn, welches Rowe verehrt, bleibt auch auf dem aktuellen Album außen vor. Punk und simples Gerumpel dominieren immer noch das Bild. Die Lyrics sind ob ihrer Grundehrlichkeit ein geeigneter Aufhänger zum Spott, gleichwohl jeder Feierabend-Satanist einmal bedenken sollte, was er sich textlich so um die Ohren pfeffern lässt. Rowes Unvermögen, in seiner stimmlichen Beschränktheit die getexteten Emotionen angemessen zu vermitteln, steht der Einfindungsmöglichkeit in die Welt MORTIFICATIONs im Wege - ebenso wie die arg simplen Riffs aus dem Gitarristen-Anfängerbuch.
Einen an sich coolen Rocker wie "One Man With Courage Makes A Majority" versaut der Gesang; die rohe Produktion hebt den Bass angenehm hervor, und der Melo-Metal von "A Sense Of Eternity" sorgt wirklich für etwas Nachhaltigkeit. Es ist bei aller Sympathie wirklich schade, dass Rowe sein Engagement an allen Fronten sowie seine Ehrlichkeit (die alle vermeintlichen Vertreter des nicht Geheuchelten, also nicht Christlichen, sich einmal als Beispiel nehmen sollten, da sie nicht praktizieren, was sie predigen) musikalisch nicht unterfüttern kann. Es bleibt schnöder Proto-Extrem-Metal im Hause MORTIFICATION, der niemanden außer Hardliner für sich einnimmt.
FAZIT: MORTIFICATION bieten abseits der Streitfrage, ob man christlichen Metal überhaupt akzeptieren "darf" (der Rezensent ist konfessionslos und meint dennoch: unbedingt!), kein "Muss" im Bereich des geradeaus gerichteten Thrash. Steve Rowe grummelt grenzwertig, die Musik setzt wenige Glanzpunkte im Riff- und Melodiebereich. So hart es klingt: Vielleicht wäre Rowe, statt "Karriere" zu machen, besser "nur" Metalfan geblieben.
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 04.11.2009
Steve Rowe
Steve Rowe
Michael Jelinic
Dave Kilgallon
Rowe Productions / Soundmass
42:27
04.11.2009