Diese Briten versuchen nicht, wie viele ihrer Landsmänner, mit Eingängigkeits-Rock ihr Radio-Airplay zu verdienen. Für den Massengeschmack klingt „A Garland Of Tears“ viel zu dunkel und melancholisch – eine Girlande aus Tränen wollen diese fünf Damen und Herren aufspannen, möchte man dem Albumtitel Glauben schenken. Dabei bleibt der düstere Partyboden glücklicherweise trocken, weil MY SILENT WAKE ihre Trauer nicht in tränenreicher Weinerlichkeit verpacken, sondern in über fünfzig Minuten fein inszenierten Doom-Death, der gefühlvoll und hart zugleich seinen schwarzen Schein verströmt.
„A Garland Of Tears“ ist das nunmehr dritte Album dieser Band, die aus den Resten von ASHEN MORTALITY, die nach zwölf Jahren Dienst 2005 die Segel gestrichen haben, entstand. Einflüsse haben MY SILENT WAKE sicher, so scheinen alte ANATHEMA und PARADISE LOST durch – oder auch, um eine moderne Variante dieses Sounds zu nennen, NOVEMBER’S DOOM. Keine schlechten Vorbilder, aber wer bloß klaut, verdient sich vielleicht einige Hörer, aber keine Lorbeeren. Glücklicherweise paaren die Briten nicht bloß allgemein bekannte Zutaten, wie schleppende Riffs, wunderbar melodische Gitarrenleads und gelungene Wechsel zwischen Klar- und Grunzgesang, sie bereichern ihren Doom-Cocktail mit Unerwartetem. So befindet sich in der Mitte von „Tunnels“ eine fast schon psychedelische Rückkopplungs-Ambient-Passage. „Pendulum“ kommt rein folkloristisch daher und beim großartigen Albumabschluss „Wilderness Of Thorns“ dröhnen majestätisch-erhaben die Hammonds und Gitarren in feinsten Unisono-Passagen, rattern wild die Black-Metal-Blasts und blasen Blechbläser zum großen Finale.
FAZIT: MY SILENT WAKE bereichern ihr Genre, indem sie gelungen Artfremdes in ihre Songs integrieren. Dabei stoßen sie aber weder dem eingefleischten Doom-Kopp vor denselben, noch sollten sie Traditionalisten durch zu viel Gegrunze auf den Zeiger gehen. „A Garland Of Tears“ bietet gehobene Doom-Unterhaltung, die jeder Fan der genannten Bands einer Hörprobe unterziehen sollte.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.01.2009
Kate Hamilton, Andi Lee
Jasen Whyte, Ian Arkley, Andi Lee
Ian Arkley, Andi Lee
Kate Hamilton
Jasen Whyte, Steve Allan
Andi Lee, Ian Arkley (ebow), Kate Hamilton (cello), Andi Lee (mandolin)
Bombworks Records
51:53
19.12.2008