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Reviews

Skyclad: In The… All Together

Stil: Folk Metal/Folk Rock

Cover: Skyclad: In The… All Together

Endlich ein neues Album der Helden meiner Jugend, das wurde Zeit. SKYCLAD mussten in vielerlei Hinsicht Federn lassen, als Aushängeschild Martin Walkyier die Band nach „Folkémon“ verließ. Plötzlich gab es jahrelangen Leerlauf statt ständig neuer Großtaten, eine Stilkorrektur hin zu beschwingterem Rock statt Metal und als Ergebnis einen Popularitätsverlust. Und nicht zuletzt hörte die Band auf, ihre Alben um die Ecke von Gitarrist Kevin Ridley aufnehmen zu lassen und fuhr stattdessen in ein italienisches Studio, worunter der sonst so warme, authentische Sound, für viele altmodische Menschen immer noch Bestandteil des Hörgenusses, empfindlich litt. Zwar waren die so entstandenen Scheiben ebenfalls gut, denn für eine schlechte Platte sind die Engländer viel zu talentierte Songwriter. Aber die Magie eines Meilensteins wie „Prince Of The Poverty Line“ fehlte von nun an.

Was ist von der Neuen zu halten? Zunächst wurde wieder in Italien aufgenommen, und siehe da, es geht doch. Die Scheibe klingt richtig gut. Versucht man dann, keine unfairen Ansprüche zu stellen, indem man einen Klassiker oder „Prince…“ Teil 2 erwartet, bekommt man ein ganz schön geiles Album zu hören, das bei entsprechender Promotion auch heute noch hohe Wellen schlagen sollte. Sänger Kevin Ridley singt neuerdings ab und zu mal mit Crunch in der Stimme und klingt dabei doch glatt wie Walkyiers kleiner Bruder. Das passt hervorragend zur wieder etwas raueren Ausrichtung der Songs, die alle zehn einen Ohrwurmfaktor besitzen, wie die Jungs und Mädels ihn zuletzt in den Neunzigern hinbekommen haben. Überhaupt sind wahre Hits immer SKYCLADs Hauptmerkmal gewesen, was der Welt diverse Klassiker von „Spinning Jenny“ bis „Inequality Street“ beschert hat. Auf dem Vorgänger hatten sich erstmals einige Längen ins Songwriting geschlichen, die zum Glück schon wieder der Vergangenheit angehören. Anspieltips kann man schwer geben, allerorten wird gefiedelt, gerifft und in wunderbaren Melodien geschwelgt. Ja, sie können sie noch, diese getragenen, mal melancholischen, mal kämpferischen, aber immer aufwühlenden Gesangslinien. Auch inhaltlich bleibt die Band sich mit klugen Kommentaren zu Politik, Ökologie und Gesellschaft im Großen und Kleinen treu, die sie in rebellische, witzige, bildhafte, wortgewaltig erzählte Geschichten verpackt. Jetzt können wir nur alle hoffen, sie bald auf der Bühne zu sehen, denn diese Band hat live eine solche Power und Intensität, dass man im einen Moment heulen und im nächsten die Revolution auf die Straße tragen möchte.

FAZIT: Die obersympathische Musiker-Kommune SKYCLAD funktioniert noch. Ihre Klassiker sind zwar geschrieben, doch daraus ist ihnen kein Vorwurf zu machen, denn sie teilen dieses Schicksal mit allen wegweisenden Bands der Vergangenheit, die es heute noch gibt. Von denen liefern aber längst nicht alle noch tolle Musik ab, SKYCLAD hingegen sind „objektiv“ betrachtet keinen Deut schwächer als zu ihren großen Zeiten. Wer sie immer mochte, kann also zuschlagen und sich auf 40 Minuten exzellente Laune freuen. Und jeder andere kann durchaus gut mit diesem Album die Sammlung beginnen.

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 01.06.2009

Tracklist

  1. Words Upon The Street
  2. Still Small Beer
  3. The Well-Traveled Man
  4. Black Summer Rain
  5. Babakoto
  6. Hit List
  7. Superculture
  8. Which Is Why
  9. Modern Minds
  10. In The… All Together

Besetzung

  • Bass

    Graeme English

  • Gesang

    Kevin Ridley

  • Gitarre

    Steve Ramsey, Kevin Ridley

  • Keys

    Georgina Biddle

  • Schlagzeug

    Arron Walton

  • Sonstiges

    Georgina Biddle (Violine)

Sonstiges

  • Label

    Scarlet

  • Spieldauer

    39:35

  • Erscheinungsdatum

    29.06.2009

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