SLIVOVITZ aus Neapel sind wahre Eklektiker vor dem Herrn. Nicht nur ihren Bandnamen hat das Septett einem Obstbrand gemopst, sondern auch musikalische Einflüsse noch und nöcher aus allen Regionen der Welt. Jazzig vertrackt schlendern SLIVOVITZ versunken über den Erdball, leihen sich afrikanische Folklore, um diese mit südamerikanischer Tanzmusik und osteuropäischen Obskuritäten zu verquicken. Bluesiger Seelenhonig tropft auf wüst-avantgardistische Ausbrüche von Chaos, das Saxophon brüllt, klopfende, zischelnde Jazz-Besen kratzen wie Hühnerfüße, um von erhabenem Schönklang im Solospiel von Blechbläser und Gitarre auf den Boden zurückgeholt zu werden. Der zumeist lautmalerische Gesang Ludovica Manzos fügt sich als weiteres Instrument in das musikalische Geschehen ein, das Freigeistige im Denken ihres männlichen Beinahe-Vornamensvetters Settembrini aus Thomas Manns „Zauberberg“ wird hier passend zur restlichen Instrumentierung in Musik gegossen.
Für ungeübte Ohren mag „Hubris“ zu chaotisch klingen, wobei aber gesagt sei, dass SLIVOVITZ keinesfalls zu diesen Künstlern zählen, die mit verächtlicher Miene auf Melodien spucken, um sich dann elitär durch rein abstrakte Notenberge zu wühlen. Auf melodischer, teils beinahe eingängiger Ebene tut sich hier sehr viel, wozu auch das harmonische, stets druckvolle Bass-Spiel beiträgt.
FAZIT: SLIVOVITZ zeigen auf ihrem zweiten Album eine beeindruckende Vermengung von Jazz Rock, Weltmusik, Avantgarde mit Progressive Rock mit Hang zum Canterbury-Sound. Keine leichte Kost, aber auch für Normalsterbliche grad noch zu konsumieren.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.10.2009
Domenico Angarano
Ludovica Manzo, Pietro Santangelo
Marcello Giannini
Stefano Costanzo
Derek Di Perri (Harmonica), Pietro Santangelo (Sax), Riccardo Villari (Violine)
Moonjune
70:36
09.09.2009