Wie es klingen kann, wenn skandinavischer AOR, Rock á la MY CHEMICAL ROMANCE, US-Kiddiepunk und im Besonderen poppigste SONIC SYNDICATE in den Mixer gestopft werden, dokumentiert „Dystopia Lane“ in Perfektion.
Das Resultat besitzt selbstverständlich nicht gerade viel Eigenständigkeit, der Klebrigkeitsfaktor des zweiten BLOWSIGHT-Albums ist alarmierend hoch, und bei der Produktion wurden obendrein sämtliche Stacheln gezogen, alle Ecken abgerundet und jede Kante geglättet. Optisch präsentiert sich die Band in einem Outfit á la „TOKIO HOTEL meets Designerpunk meets Emo light meets Twilight-Schmonzette meets meine-große-Schwester-liest-Zillo“. Alberne Klatschsamples wie bei der Ballade „Things Will Never Change“ machen es jedem Rockfan, der etwas auf sich hält, zusätzlich leicht, einen Hass auf die Stockholmer Band zu schieben.
Im Grunde ist das Songwriting des Vierers gar nicht mal schlecht, da es variabel, überraschend und dennoch nachvollziehbar ist, doch BLOWSIGHT wirken von A bis Z durchdesignt, durchkalkuliert, künstlich und schmerzhaft offensichtlich auf hohe Verkaufszahlen getrimmt, wodurch sie am Ende dann doch „nur“ wie eine anabolikagetränkte Version des alltäglichen Radio-Einheitsbreis rüberkommen. Mit LADY GAGAs „Poker Face“ haben sich die Schweden dann noch einen Coversong rausgesucht, der den Puls des Hörers in die Höhe treibt... allerdings nicht im positiven Sinne. Wäre eigentlich eine lustige Idee, denn es gibt eine Menge witzige Pop-Coverversionen - doch im Falle dieser Band regiert bittere, unfreiwillige Ironie.
FAZIT: Mich würde interessieren, was von BLOWSIGHTs Sound noch übrig bliebe, wenn man die Band auf ihre musikalische Essenz reduzieren würde – ohne die dicke Pop-Zuckergussschicht, ohne Fashion-Exzesse, ohne Studio-Perfektionismus. Ich hoffe, immer noch gute Songs, denn mit den vorhandenen Zusatzstoffen angereichert ist „Dystopia Lane“ nahezu ungenießbar. Ja, die Band tituliert ihre Musik bewusst „Popmetalpunk“ und möchte mit ihrer Musik möglichst viele Zielgruppen ansprechen, doch das erreicht man bestimmt nicht, indem man ein Ganzkörperbad im Gleitgel der Marke „Anbiederung ultra plus“ nimmt, um den Hörern dann ungefragt mit Haut und Haaren ins Rektum zu flutschen. Autschn!
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 08.11.2010
Mini
Nick Red
Nick Red, Seb
Fabz
Rest der Band (Backing Vocals)
Fastball Music
52:37
29.10.2010