Das nordrhein-westfälische Duo BUTZEMANN will Märchen vertonen. Wo das geschriebene Wort kleinen Kindern jedoch Angst einflößt und im Idealfall eine Moral fürs Leben lehrt, geben die Macher dieses klischeebehafteten NDH-Werkes sich und ihre fragwürdige Kunst der Lächerlichkeit preis - und gelernt hat man am Ende auch nichts.
Die Gitarrenriffs möchten brachial wirken, doch nicht nur die Tatsache, dass die den Songs stets vorangestellten Intros die Scheibe zur Gänze ausfransen ("Der Schneider" steht als Einzelstück exemplarisch für die nicht fließen wollenden Arrangements), sondern auch die Abgeschmacktheit des Stilmittels an sich lässt den Effekt verpuffen. Wenn es dann sanft zugeht wie in "Der Rote Stein" (natürlich darf hier ein Frauchen mithauchen), werden die schlichtweg schlecht geschriebenen Texte noch offenkundiger. Die Refrains bestehen zudem häufig aus einem einzigen herausgebrüllten Wort, damit auch jeder die Message kapiert - welche auch immer. Übrigens bedienen BUTZEMANN sich nicht eben der frischesten Bildersprache, wie man bereits allein an den Songtiteln sehen kann. Sicherlich ist das Feld bei der übergreifenden Thematik weitgehend abgesteckt; andererseits zwingt auch niemand die beiden Mucker zu diesem Konzept, also sollten sie sich um Originalität bemühen, wenn sie es dennoch aufgreifen.
Trotz der hörbaren Mühe, mit erweitertem Instrumentenpark (Streicher und so) für mehr Abwechslung zu sorgen, scheitern BUTZEMANN, da man sich emotional schwerlich in ihre Lieder einfindet. Das liegt letztlich daran, dass die Bargel-Brüder die Tradition auf ganz platte Weise trivialisieren (grausam, was man in "Mein Kind" mit Rumpelstilzchen macht). Interessant wäre die Einbringung des geschichtlichen Hintergrunds der jeweiligen Erzählung gewesen, doch nicht einmal die meistens halbwegs offensichtlichen Botschaften der Märchen kommen textlich zum Tragen. Von der Musik möchte man da wie angedeutet schon gar nicht mehr sprechen, sich nimmer darauf einlassen, weil sie wenig Substanz birgt: am Rechner zusammengepfuschtes Sammelsurium an Einfällen, die andere nicht einmal als weiterzuverfolgen lohnenswerte Ideen ansehen würden.
FAZIT: "Merechyn" bedeutet Märchenvertonung ohne Weiterdenken, Aktualisierung der Themen oder jedweden bloß vom Überbau abgesehen musikalischen Anspruch: BUTZEMANN ist demzufolge eine Mischung aus liebloser Deutschtümelei, Pseudo-Folk und -Kunst allgemein. Man sollte auch Geist und Kreativität besitzen, wenn man sich mit Geistreichem befasst.
Punkte: 4/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 15.10.2010
Andreas Bargel, Christian Bargel (alles)
Danse Macabre / Al!ve
44:36
15.10.2010