Genug ein-, aus- und wieder eingewechselt, jetzt wird wieder gerockt bei MOTORJESUS. Wer beim Besetzungschaos der ehemaligen THE SHITHEADZ zuletzt die Übersicht verloren hat, dem sei gesagt, dass für das dritte Album alle Posten wieder adäquat und großteils altbewährt besetzt sind, um für den neuen Rennstall Drakkar Records endlich wieder Gas zu geben.
Und die Fahrt führt nicht in die musikalische Hölle, höchstens, um dem Deibel mal kurz den Mittelfinger zu zeigen. Das Dicke-Hose-Cover verspricht da nicht zu viel, denn schon in den ersten Runden wird schnell klar, dass die Musik des 5-Zylinders durch die Querelen bei den Jesuiten rein gar nichts an Hubraum eingebüßt hat, ganz im Gegenteil. "Wheels Of Purgatory" rockt wieder wie Hulle mit einer Mixtur aus Rotz- und Motorenrock mit lässiger Stonerkante, melodischem Alternative und modernem Heavy Metal. Sprich MUSTASCH (besonders die) trifft auf DANKO JONES (man höre nur "Fist Of The Dragon" oder "King Of The Dead End Road") trifft auf BLACK LABEL SOCIETY ("West Of Hell", "The Shadowman", "Wheels Of Purgatory") trifft auf DISTURBED ("Fuel The Warmachine", "Hammer Of The Lord") trifft auf KYUSS (diverse Riffs) trifft auf NICKELBACK. Ja, auch auf letztere, denn neben all den coolen Grooves und feinen Hooklines haben MOTORJESUS auch reichlich Melodien in petto, die das Gemisch zusätzlich leichtgängig halten. Zudem ist Chris Birx bekanntlich ein wirklich starker Sänger, der es zwar rau mag, aber auch in den bedächtigeren Momenten und den nicht wenigen harmonischen Gesangslinien voll überzeugen kann und mit dafür sorgt, dass die Musik der PS-Jünger auch für Metal-ungewohnte Ohren äußerst zugängig scheint. So dürften die Fangruppen, die derzeit VOLBEAT die Bude einrennen, auch für MOTORJESUS nicht unerreichbar sein.
Zweifellos schließt der Fünfer aus Mönchengladbach mit "Wheels Of Purgatory" übergangslos an "Deathrider" an, nur dass die Hitdichte sogar noch größer, ihr Gesamtsound eben noch globaler geworden ist. Nach dem Intro mit AC/DC- bzw. AIRBOURNE-Verdacht verzichtet gleich "Motor Discipline" auf die Aufwärmrunde und legt in MUSTASCH-Manier mächtig los. Die Eastern-Hymne "Fist Of The Dragon" - war ebenso wie das als Bonustrack ausgewiesene Neil-Young-Cover "Old Man" bereits auf der letztjährigen selbstproduzierten EP enthalten - hat sogar noch mehr Groove und ist in seiner Tiefenwirkung so was wie der Nachfolger von "Legion Of Rock" und "Return Of The Demons", den größten Hits vom Vorgängeralbum. "King Of The Dead End Road" packt einen auch keinen Deut weniger und "Fuel The Warmachine" hat ebenfalls eine perfekte Mischung aus basischer Wucht, griffigen Gitarrenleads und einnehmendem Refrain.
Alleine das erste Drittel ist damit schon mal äußerst stark bestückt, inklusive 'Schnell-nochmal-von vorne-Wirkung', aber im Grunde folgt hier ein Treffer dem anderen. Weitere Songs besonders hervorzuheben erübrigt sich da eigentlich, "Hammer Of The Lord", "West Of Hell", "The Church (Of Booze And Kerosene)", der Titelsong hat auch einen saugeilen Groove, das noch mal schön rotzige "Fire 99"... wer im Hard & Heavy weder die Melodien, noch die Moderne scheut, sollte diese Nummern zwingend gehört haben.
FAZIT: Moderner, rotziger Heavy Rock mit hoher Oktanzahl. MOTORJESUS bringen die Karre wieder auf Kurs und haben trotz der längeren Pause nicht einen Hauch von Rost angesetzt. Wenn sich jetzt die Livequalitäten von Birx & Co. noch weiter herumsprechen und nebenbei noch ein paar richtige Knöpfe gedrückt werden, stehen die Jungs vor dem Durchbruch - ernsthaft jetzt.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.12.2010
Roman Jasiczak
Chris Birx
Andreas Peters, Guido Reuss
Oliver Beck
Drakkar Records
52:20
10.12.2010