Aufgepasst, Freunde außergewöhnlicher, dunkler Klänge. MY FRIEND SKELETON ist der Name eines nicht alltäglichen Projekts, das mit seinem ersten Album "Vanitas" nachhaltig auf sich aufmerksam macht. Vier hinter venezianischen Masken verborgene Bandmitglieder und zwei ebenso maskierte Gastsänger/-innen erschaffen verträumt-märchenhafte Klangwelten, die einen über zwei Stunden lang mit auf eine fantasievolle Reise in düster-morbide Welten nehmen. Vorhang auf für dieses bemerkenswerte Werk.
Die erste CD trägt den Titel "Hinter der Maske der Schönheit..." und ist weitesgehend ruhig angelegt. Sanft treibende Beats, dunkle Ambientwellen und sakral anmutende Neoklassik vereinen sich zu theatralischen, opulenten und teils symphonischen Kompositionen, die zwar enorm entspannend, aber zu keiner Zeit langweilig sind. Mit geheimnisvollem Flüstern, sanftem bis aufgekratztem Frauengesang und lateinischen Chorälen wird der Tod in all seinen unterschiedlichen Facetten besungen. Der Hauch des Besonderen liegt über den Werken und lässt den Hörer gebannt teilhaben. Besonders fesselnd ist das mit französischem Akkordeon begleitete "Funeral Of A Broken Doll (Her Version)", doch auch das schöne, vergleichsweise flotte "Black Widow" und das zerrissene "Schwester im Spiegel" wissen zu gefallen. Aufgrund des hysterisch wirkenden Gesangs ist die Geschichte von "Alice" (ja, die aus dem Wunderland) allerdings eher nervig. Der Frauengesang wirkt darüberhinaus manchmal ein wenig dünn, was dem Hörgenuss aber nur begrenzt schadet.
Auf der zweiten CD "... lauert der Tod" in Form des Alter Egos, das den Namen My Skeleton Friend trägt. Das heißt, dass die Musik hier grundlegend anders gestaltet ist. Mystischer, verschachtelter Electrosound kommt zum Vorschein, der zwischen Synthiepop und Industrial pendelt und mit Weltmusik-Flair und spacig-tranciger Atmosphäre deutlich kühler wirkt. Viele Samples sorgen für eine unruhige Stimmung, der Gesang ist nicht mehr weiblich, sondern männlich und verzerrt. Doch auch über diesen 10 Tracks (die zur Hälfte aus dem sechsteiligen "Roboterblut"-Epos bestehen) schwebt der Atem des Ungewohnten und auch hier taucht man in musikalische Welten ein, die man so zuvor noch nicht gehört hat.
Natürlich wäre es interessant, zu wissen, wer sich hinter My Friend Skeleton verbirgt, doch lässt zumindest die Musik nur wenige Rückschlüsse zu. So erinnert die Musik auf der zweiten CD zwar manchmal von der Struktur her an die PATENBRIGADE: WOLFF, wirkliche Rückschlüsse lassen sich aber auch nach intensiver Internetrecherche nicht ziehen. So bleiben My Friend Skeleton erst einmal ein Mysterium, das ein wirklich interessantes Album erschaffen hat.
FAZIT: Dunkle Musik mit sehr viel Tiefgang, die sich nicht auf die Schnelle erschließt, sondern Ruhe und Geduld verlangt, um dann eine Reise in die fantastische Welt des Kopfkinos zu ermöglichen. Wer sich von solcherlei Gedanken angezogen fühlt, sollte den Trip bei My Friend Skeleton buchen.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 07.04.2010
Amayah Sakina Skeleton, Kay Ozz Skeleton, Leontes Skeleton, Violetta Skeleton
Archimed S. Skeleton
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Danse Macabre
132:32 (67:04 + 65:28)
12.03.2010