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Myra: Godspeed

Stil: Metalcore

Cover: Myra: Godspeed

Leipziger Allerlei-Core mit hässlichen Bärten und vierjähriger Bandgeschichte: ein Logo von Imperial Clothing im Booklet, das von PETA hintendrauf, aber sich Klampfen von Warwick bauen lassen, die zuletzt durch Mitarbeiterausbeute aufgefallen sind … Hardcore-Ethos, der sich dem Zeitgeist der Selbstinszenierung und des hemmungslosen Wirtschaftsdenkens anpassen muss, kann so lustig sein!

MYRA spielen 08/15-Metalcore in Vollendung: so vorhersehbar mitreißend, wie in dieser Stilistik üblich und möglich, verflucht druckvoll inszeniert, bisweilen recht musikalisch (Twin-Leads, Breakdowns und der ganze Rest …) und nicht allzu stakkato-redundant. Alle Tracks sind totsichere Hymnen ("Said and Done" charmant melancholisch) zum erst Arschwackeln und dann Fresse Einschlagen im Pit. In "Phobia" bewahrheitet sich durch die Beteiligung Nicos von WAR FROM A HARLOTS MOUTH wieder einmal das Prinzip von "birds of one feather stick together" - oder andersgesprochen: MYRAs hehre Anliegen zur Weltverbesserung kranken wie so häufig innerhalb von Subkulturen daran, dass man den bereits Bekehrten predigt und nur unter Seinesgleichen verweilt. In künstlerischer Hinsicht bedeutet dies weiterhin, dass es mit individuellem Selbstausdruck nicht weit her sein kann, wenn man optisch wie musikalisch so sehr allen Genrekonventionen gerecht wird (was übrigens auch für vermeintlichen Echt- und Schwarzmetall gilt). Die Totkern-Mischung bohrt das Kollektiv üblicherweise zu gleichen Teilen mit Black'n'Deather sowie manchmal gar leicht rockigen Grooves ins langgezogene Lauschläppchen. Stoff wie "(For)get What You Deserve" versprüht dabei durchaus Atmosphäre und bemüht sich um Dynamik, wohingegen Sebastian Spillners Vocals erwartbar unflexibel klingen. Die zweite Hälfte der Platte erscheint weniger kompakt, bewahrt sich jedoch die schreiberische Stringenz, was bei Fans gewiss für längeren Nachhalt sorgen wird als allein die Hits zu Beginn.

"Personality like bought in the cheapest fashion store", "We used to ride the sky together when convictions meant everything to us" und "Your actions don't support the words been spoken" sind nur drei Phrasen, die MYRA ebenso gut zu dreschen wissen wie den Rhythmus, bei dem jeder mit muss. Wer im Glashaus sitzt …

FAZIT: "Godspeed" ist ein professionelles Produkt für die zutätowierte und Ohrloch-erweiterte Klientel, dem man ob hier und dort hörbarer Passion und instrumentaler Könnerschaft die Ehrlichkeit und Existenzberechtigung nicht absprechen will. Wenn am Ende des Tages jedoch die Sonne im Westen - also links - untergeht, wo auch MYRAs Herz schlägt, bleibt ihr Album kein Dauerinventar szenefremder Haushalte. Wie klängen solche Bands wohl, wenn es keine Schablonen zum schnellen Anschmiegen des Gruppensounds gäbe? - Hätten diese Jungs überhaupt etwas zu sagen? Die alte Frage von Huhn und Ei …

Punkte: 7/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.07.2010

Tracklist

  1. Architects
  2. The Change and the Unchangeable
  3. Said And Done
  4. Three Cheers For Dedication
  5. Godspeed
  6. Phobia (feat. Nico / War From A Harlots Mouth)
  7. Memento
  8. (For)get What You Deserve
  9. Wrath
  10. The Wreckage

Besetzung

  • Bass

    Felix Thyrolf

  • Gesang

    Sebastian Spillner

  • Gitarre

    Heavy, Ronie Henkel

  • Schlagzeug

    Hando

Sonstiges

  • Label

    European Label Group / Broken Silence

  • Spieldauer

    43:21

  • Erscheinungsdatum

    14.05.2010

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