Pünktlich zum zehnten Geburtstag machen RPWL sich und ihren Hörern ein Geschenk. Eine Doppel-CD, erstmals veröffentlicht auf dem eigenen „Gentle Art Of Music“-Label, das gleichzeitig den Titel der Kompilation abgibt.
CD 1 ist das Präsent für Beginner und Neugierige, ein eigenhändig zusammen gestellter Überblick über die Entwicklung der Band. Lieblingslieder chronologisch geordnet. Was die Veränderung von den Pink Floyd-lastigeren Anfangstagen zur selbstbewussten, eigendynamischen „RPWL Experience“ sehr schön aufzeigt. Vielleicht zu schön, dominiert doch vor allem zu Beginn, der ruhige, sehnsuchtsvolle symphonische Sound, der sich mit Verve in die Herzen spielt, aber Füße und Bauch etwas vernachlässigt. Mit dem fünften und (knapp) längsten Stück, dem Live immer gerne und gut performten „The Gentle Art Of Swimming“ wird es etwas drängender und düsterer, ohne allerdings dem Wohlklang einen Arschtritt zu geben. Macht aber nichts, denn wem diese bedächtige musikalische Zeitreise nicht gefällt, ist eh kaum für die Musik der Freisinger Gruppe zu gewinnen.
Richtet sich die erste CDs an neue Interessenten, ist CD Nummer 2 ein Schmankerl besonders für den Fan, der schon alles hat. Zwei nette neue, aber nicht atemberaubende Lieder ("Watching the World", "Cake") werden gerahmt von Alternativ-Versionen bekannter RPWL-Songs. Und die sind klasse. Dass sie eher akustisch ausgerichtet sind, ist nicht überraschend, aber dass durch die Hinzunahme exotischer Instrumente, sowohl aus Indien wie aus der Schweiz – nein, kein Alphorn, sondern das "Hang"* -, orchestraler Ausrichtung, weiblichem Gesang und dezenten rhythmischen Veränderungen, die Musik ganz neue Sphären erreicht, lässt staunen und gefällt. „Moonflower“ als lässig entspannter Ausflug Richtung Karibik ist dabei wohl die eigenwilligste Umdeutung; aber auch den anderen Songs tut die originäre Instrumentierung und die weltmusikalische Öffnung erstaunlich gut.
So muss man sich auch nach zehn Jahren um die Zukunft RPWLs wohl keine Sorgen machen. Die Band ist offen für neue Ideen, ohne ihre Vergangenheit zu verleugnen. Davon legt „The Gentle Art Of Music“ beredtes Zeugnis ab. Auf das kommende Album namens „Revisted“ darf jedenfalls gespannt gewartet werden.
FAZIT: Mit “The Gentle Art Of Music” legen RPWL ein opulent aufgemachtes Doppelalbum zum Zehnjährigen vor. Appetizer für Neueinsteiger gibt es auf der ersten CD , während die teils exotischen, aber nie abwegigen Varianten bekannter Songs den alteingesessenen Lauschern Freude bereiten dürften. Und solange die Band in der Lage ist, interne Klassiker wie „Trying To Kiss The Sun“ mit dezenten Veränderungen spielrisch um neue Spektren zu bereichern, ist das kreative Potenzial noch lange nicht erschöpft.
* Das Hang (Plural: Hanghang) ist ein den Idiophonen zuzuordnendes, linsenförmiges Musikinstrument. Es besteht aus zwei miteinander verklebten Schalen aus gehärtetem Stahlblech. Auf der oberen Halbschale befinden sich Tonfelder, die - ähnlich wie bei der Steel Pan - mit Hämmern ins Blech eingearbeitet sind.
Das Hang wird waagerecht oder senkrecht auf dem Schoß gehalten. Gespielt wird es mit den Fingern und Händen, was den Namen ergab: Hang ist Berndeutsch für Hand. Das Instrument wurde im Jahr 2000 von den Schweizer Instrumentenbauern Felix Rohner und Sabina Schärer entwickelt und wird ausschließlich von ihnen in ihrer Firma PANArt Hangbau AG gebaut und vertrieben (Quelle: Wikipedia).
Erschienen auf www.musikreviews.de am 10.06.2010
Chris Postl, Stephan Ebner
Yogi Lang, Julia Schröter, Conny Kreitmeier, Bine Heller, Ray Wilson
Kalle Wallner
Markus Jehle, Yogi Lang, Andreas Wernthaler
Marc Turiaux, Phil Paul Risettio, Manfred Müller
Manasvee Mezz (Indian Instruments), Tom Norris (Violin, Viola), Mehmet Bayrakcoglu (Saz), Ferdinand Settele (Saxophone), Jost Hecker (Cello), Manu Delago (Hang)
Gentle Art Of Music/Soulfood
CD 1: 74:35, CD 2: 57:13
26.03.2010