Wären alle Stücke des letzten, an sich schon richtig feinen Albums "Flowers From Exile" so famos gewesen wie die beiden hier dargebotenen Songs, hätte die Scheibe ein echter Knaller werden können. Aber wie war das noch mal mit der Ecke, der Notdurft des Hundes und des Konjunktivs?
Der Opener und Titeltrack dieser EP zeigt einen Jerome Reuter in Bestform, und sowohl musikalisch als auch gesanglich ist zwischen dem minimalistisch beginnenden, später mit sich steigernden Streichern aufwartenden Mini-Epos und Kompositionen eines TOM WAITS oder gar NICK CAVE nicht mehr viel Luft. Etwas ruhiger lassen es ROME dann mit "One Flesh" angehen, welches mit reizenden Klaviermelodien besticht. Als kleines Schmankerl hat das Duo die "Masse, Mensch, Material"-Stücke "Der Brandtaucher" und "Der Erscheinung Flucht" noch einmal als "Stringed Versions" überarbeitet, und diese Neuinterpretationen entwickeln einen ganz eigenen Esprit. Oft ist es ja so, dass Überarbeitungen gründlich in die Hose gehen, doch in diesem Fall ist sämtliche Skepsis unbegründet.
FAZIT: Das Zweiergespann aus Luxemburg hat seinen Acoustic Folk, seinen Chanson noir, seine schlichtweg wunderschöne, melancholische Musik weiter verfeinert, und wenn ROME dieses Level beibehalten, könnte das nächste Langwerk eine wahre Macht werden. Warten wir's ab. Würden wir bei EP-Veröffentlichungen Punktewertungen verwenden, wären die beiden neuen Songs locker zwölf Punkte wert.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.01.2010
Jerome Reuter (Instrumente, Vocals, Songwriting, Arrangements), Patrick Damiani (Instrumente, Arrangements, Sounddesign), Nikos Mavridis (Violine)
Trisol Records
18:00
29.01.2010