RON WOOD hat sich für seine aktuelle Solodarbietung zahlreiche prominente Helfer ins Studio eingeladen, darunter Bobby Womack, Billy Gibbons, Flea, Slash, Waddy Wachtel und Bernard Fowler. Dies ist insofern nicht überraschend, als das die meisten dieser Künstler sich ohnehin seit langer Zeit im Umfeld der ROLLING STONES aufhalten. Arm an Überraschungen sind auch die Songs, welche WOOD hierfür schrieb - zumindest in kompositorisch struktureller Hinsicht, wenn man sich erst daran gewöhnt hat, dass der Gitarrist in verschiedenen Genres wildert.
Der entspannte Opener gibt akustischen Countryrock folglich nicht als durchgehende Stilrichtung vor, denn bereits "Sweetness My Weakness" groovt stoisch als Reggae daher. "Lucky Man" zeigt den Mann dann erst so, wie man ihn kennt, ein Classic-Rocker im besten, wenn auch unspektakulären Sinn. Nach der von Blondie Chapman mitveredelten Ballade im Anschluss ("Catch You" exerziert diese Disziplin später ähnlich mit Slideguitar durch) groovt WOOD den Boogie "Thing About You" mit gospeliger Hintergrundbegleitung herunter und beweist, dass er gesanglich nicht so unbeweglich ist, wie er sich ansonsten überwiegend geriert.
Zum Standard "Spoonful" muss man genauso wenig sagen wie über die Selbstdefinition "This is my guitar […] I was a dirty boy" während "I Don't Think So". Laufen die Lieder erst einmal einige Sekunden lang, sieht man den AUsgang bereits voraus. Da überrascht auch keine Sitar, zumal die Lyrics in ihrer klischeeträchtigen Reim-dich-Manier zunehmend verärgern beziehungsweise anöden. Den Altrocker - um ein weiteres Klischee heranzuziehen - mag dies wenig stören; die Jugend hat außer bestenfalls Respektbekundungen über die solide Darbietung und die WOOD quasi einzugestehende Narrenfreiheit ob seiner Zugehörigkeit zum britischen Musikadel wenig für "I Feel Like Playing" übrig. Klingt alles ein wenig arg nach Reißbrett.
FAZIT: "I Feel Like Playing" ist eine jederzeit vorhersehbare Mainstream-Rock-Scheibe eines Musikstars, welche vor allem Fans der letzten ROLLING-STONES-Alben kaufen werden. Aha-Erlebnisse bleiben völlig außen vor, wobei die Qualität der Einspielung sowie des schematisch erarbeiteten Songmaterials selbstredend nicht in Frage steht.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.09.2010
Ron Wood
Ron Wood
Eagle Rock
57:47
24.09.2010