Zurück

Reviews

Soilwork: The Panic Broadcast

Stil: Modern Metal

Cover: Soilwork: The Panic Broadcast

Soilwork sind wieder da - und wie! Es ist wohl der Rückkehr von Gitarrist Peter Wichers zu verdanken, dass es den Schweden gelingt, mit ihrem achten Studioalbum an alte Glanztaten anzuknüpfen, denn vor allem auf songschreiberischer Ebene wurde Wichers beim Vorgänger "Sworn To A Great Divide" schmerzlich vermisst. Weitere Qualität gewinnt die Band außerdem durch die Hinzunahme des französischen Gitarristen Sylvain Coudret, der den 2008 ausgestiegenen Ola Frenning ersetzt und mit Drummer Dirk Verbeuren auch bei Scarve tätig ist. Vorwegnehmen muss man aber auch, dass diejenigen, die mit "Stabbing The Drama" ihre Probleme hatten, mit "The Panic Broadcast" wohl auch nicht glücklich werden.

Ein Faktor dafür dürfte sein, dass die Keyboards, die auf Alben wie "Figure Number Five" und "Natural Born Chaos" noch sehr dominant waren, auf dem neuen Silberling eine eher untergeordnete Rolle spielen, was ja auch bei "Stabbing The Drama" schon der Fall war. Die Keyboards unterstützen die Songs und werden eher dezent, dafür aber auch sehr wirkungsvoll eingesetzt. Das größere Augenmerk liegt bei Soilwork inzwischen auf der fulminanten Gitarrenarbeit von Wichers und Coudret und in der Tat wimmelt es auf "The Panic Broadcast" nur so von bestechend guten Soli und Leads. Darüberhinaus hat Wichers, der natürlich auch als Produzent fungierte, der Platte einen kristallklaren und sehr differenzierten, dabei aber auch druckvollen Sound verpasst, der zwar nicht unbedingt natürlich klingt, zum modernen Metal der Band aber hervorragend passt. Ganz bewusst wird in diesem Review die Formulierung Melodic Death Metal weitestgehend vermieden, denn mit Death Metal, das muss man klar sagen, haben Soilwork nicht mehr viel am Hut, vielmehr wird hier moderner und vor allem harter Metal auf hohem Niveau geboten, sowohl spielerisch, als auch in Sachen Songwriting.

Womit wir beim entscheidenden Knackpunkt angekommen sind, der den Unterschied zwischen "The Panic Broadcast" und "Sworn To A Great Divide" am deutlichsten aufzeigt. Denn die kompositorischen Fähigkeiten eines Peter Wichers waren vom Rest der Band nicht zu kompensieren und folgerichtig sind die Songs auf dem neuen Album zwei Klassen besser, als auf dem Vorgänger. Und dass Soilwork wieder Arsch treten wollen, machen sie mit dem Opener "Late For The Kill, Early For The Slaughter" eindrucksvoll deutlich, denn der Song ist ein rasend schnelles Blastmonster, das man so nicht erwartet hätte. Das folgende "Two Lives Worth Of Reckoning" ist dann typischer für die Band und wartet endlich wieder mit einem Killerrefrain auf. Gleiches gilt für "The Thrill", das aber langsamer und atmosphärischer daher kommt und an das Material von "Stabbing The Drama" erinnert. Mit "Deliverance Is Mine" folgt ein superber Hit, die flotte und aggressive Nummer ist wirklich ein Knaller vor dem Herrn. "Night Comes Clean" hat zwar wiederum einen markanten Refrain, der allerdings recht schnell ein bisschen nervt. Die zweite Albumhälfte wird mit "King Of The Threshold" eingeleitet, hier wird das Gaspedal dann wieder bis zum Boden durchgetreten. Der ruhige, akustische Anfang von "Let This River Flow" lässt eine Ballade vermuten, die wehmütige Nummer wird aber noch härter und avanciert zum emotionalen Highlight des Albums. Besonders bei dieser Nummer zeigt sich, was für ein exzellenter Sänger Bjorn "Speed" Strid inzwischen geworden ist. "Epitome" ist eine verhältnismäßig unauffällige Nummer, während "The Akuma Afterglow" mit viel Klargesang und edlen Melodien glänzt. Das aggressivere "Enter Dog Of Pavlov" setzt dann den Schlusspunkt. In der Endabrechnung sind das sechs sehr gute Songs, zwei gute und zwei passable - schlechte Nummern gibt es jedenfalls keine auf diesem Album.

FAZIT: Soilwork melden sich zu meiner großen Freude und etwas unerwaretet mit einem wirklich starken Album zurück und es bleibt zu hoffen, dass sie die gute Form auch live umsetzen können. "The Panic Broadcast" überzeugt sowohl in spielerischer, als vor allem auch in songschreiberischer Hinsicht endlich wieder auf ganzer Linie. Mit modifiziertem und abwechslungsreichem Klangbild unter Beibehaltung alter Trademarks wie den packenden Refrains zeigen sich die Schweden in topfitter Kondition. Welcome back, guys!

Punkte: 12/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 28.06.2010

Tracklist

  1. Late For The Kill, Early For The Slaughter
  2. Two Lives Worth Of Reckoning
  3. The Thrill
  4. Deliverance Is Mine
  5. Night Comes Clean
  6. King Of The Threshold
  7. Let This River Flow
  8. Epitome
  9. The Akuma Afterglow
  10. Enter Dog Of Pavlov

Besetzung

  • Bass

    Ola Flink

  • Gesang

    Bjorn "Speed" Strid

  • Gitarre

    Peter Wichers, Sylvain Coudret

  • Keys

    Sven Karlsson

  • Schlagzeug

    Dirk Verbeuren

Sonstiges

  • Label

    Nuclear Blast GmbH

  • Spieldauer

    47:48

  • Erscheinungsdatum

    02.07.2010

© Musikreviews.de