So recht schubladisieren lässt sich „Loma Vista Drive – Tales From The Other Side“, das zweite Album des Münchener Gespanns SORGENTE, nicht, denn von DOORS-Psychedelia über Pop, Alternative, Soul und Funk bis hin zu Prog decken die fünf ein breites Spektrum ab und wissen daraus ein dichtes Klanggewebe zu flechten.
Habe ich breit und dicht gesagt? Gute Stichwörter, denn in der Tat hat das Langeisen einiges von einem – ich zitiere den Promotext – „mit offenen Armen angenommenen Drogentrip, durchzogen von Momenten wunderbarer, geerdeter Klarheit“. Mir fehlen zwar Erfahrungen bezüglich solcher Trips komplett, aber das Zitat soll wohl im Klartext bedeuten, dass einige Parts enorm psychoaktiv wirken und einem wilde Fraktalgrafiken ins Kopfkino zaubern, während andere Passagen minimalistisch und klar wie Gebirgsbäche deutliche Kontraste bilden. Passt.
Das Album wurde Los Angeles gewidmet, da sich die Band im Frühjahr 2009, als sie dort drei Wochen lang unterwegs war, anhand der großartigen Erlebnisse unendlich in diese Gegend verliebt haben – da lag es nah, den fast einstündigen Vierzehntracker nach der sich in Beverly Hills befindlichen Straße zu benennen, in der die Truppe hauptsächlich ihr Domizil hatte. Diese Verbundenheit klingt innig, ehrlich und hingebungsvoll, was „Loma Vista Drive“ zu einer intensiven Angelegenheit macht.
Dass SORGENTE, die übrigens undeutscher gar nicht klingen könnten, allerdings gleich mit vier Coverversionen (unter anderem von den DOORS) um die Ecke kommen, ist nicht gerade eine clevere Entscheidung, wenngleich so die Einflüsse huldigenderweise und äußerst gelungen offen gelegt werden. Da wären mehr Songs aus eigener Feder erfreulicher gewesen, da SORGENTE jene Feder eigentlich ganz akzeptabel zu schwingen in der Lage sind – bis auf die manchmal auftauchenden Längen auf der Scheibe, die wirken, als seien die Boys auf einem Trip hängen geblieben.
FAZIT: Der Stilcocktail ist als edel zu bezeichnen, nur bedarf es hier und da noch etwas Verfeinerung – und es sollte eben Material aus hundert Prozent eigener Herstellung sein. Dann, und erst dann, kann die Band ihr immenses Potenzial auch vollends ausschöpfen. Neun Punkte mit starker Tendenz zur Zehn.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 11.09.2010
Dungee
Fafuu
Jacobsen, O Jam
Tobsen
Fafuu (Keytar)
Sorgente Music/Soulshine
56:28
10.09.2010