SPIRIT DESCENTs „Doominion“ ist das Debüt der Deutschen, die nach der Demo „A New Doom is Rising“ einen Deal bei Eyes Like Snow ergattern konnten. Und ihr habt richtig geraten, es ist ein Doom Metal Album; Epic Doom, um genau zu sein.
Und als solches finden sich natürlich alle Elemente, die so in ein Epic Doom Album gehören: Zähe, langsame Riffs, langgezogene Vocals, das ein oder andere Gitarrensolo, und so weiter. Das ist auch alles mit Kompetenz umgesetzt und lässt sich durchaus hören. Bonuspunkte gibt’s hier für Sänger JAN EICHELBAUM, der seine Stimme sehr variabel einsetzt und von hohen Cleanvocals bis hin zu Growls einiges drauf hat.
Auch die Instrumentalisten sind alle sehr fähig, was zum Teil auch daran liegen mag, dass die Jungs auch alle schon mit anderen Doombands unterwegs waren. Alles kompetent gemacht also, auch Mix und Produktion sitzen gut.
Ich hab dann aber doch ein Problem mit der Sache, und das ist eins, dass so einige Epic Doom Releases der letzten Zeit plagt: Heldenverehrung. Es ist natürlich nichts Schlechtes, Einflüsse deutlich in eigenen Kompositionen hörbar zu machen, im Gegenteil, das kann auch sehr gut funktionieren. Aber es ist nicht unbedingt elegant, das komplette Album nur auf solchen Einflüssen aufzubauen und das Ganze dann „Oldschool“ oder wie auch immer zu nennen. Versteht mich nicht falsch, ich steh auch auf Candlemass, aber wenn ich Candlemass will, dann höre ich Candlemass.
Nun sind SPIRIT DESCENT sicher keine Kopisten, denn sie holen sich ihre Einflüsse nicht nur von Candlemass, sondern auch von den anderen üblichen Verdächtigen: SOLITUDE AETERNUS, BLACK SABBATH, TROUBLE und so weiter. Und auch das kann funktionieren, siehe zum Beispiel CAPILLA ARDIENTE. Doch wo CAPILLA ARDIENTE die hypnotische Qualität ihres Sounds und, seien wir ehrlich, auch die EP-Länge zu Gute kommen, fehlt bei SPIRIT DESCENT genau diese letzte Konsequenz, diese unerbittlich durchgezogene Langatmigkeit, zumindest für meinen Geschmack.
FAZIT: Nicht, dass ich hier falsch verstanden werde: „Doominion“ ist sicher kein schlechtes Album und dürfte vermutlich so manchem Doomhead genau das bieten, was er will, nämlich mehr vom Gleichen. Mir reicht das aber leider nicht. Trotzdem: Handwerklich gut und auch kompositorisch gelungen und ein toller Sänger, daher keine allzu negative Bewertung. Ich hoffe, die Jungs machen weiter und finden ihre eigene Nische.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 06.09.2010
Andreas Schiffmann
Jan Eichelbaum, Andreas Libera
Andreas Libera, Randolph T. Reaper
Guido Preußner
Eyes Like Snow
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17.09.2010