Wie ich ja schon öfter erwähnt habe, finden die spannenden musikalischen Entwicklungen zur Zeit ja überwiegend im Black Metal statt, gemeinhin wird die entstehende unangepasste Unterart dann als „Avantgarde“ bezeichnet, ein Begriff, der allerdings schon Mitte der Neunziger ARCTURUS angehängt wurde.
Grob in dieses Schema passen auch SULPHUR mit ihrem Zweitling „Thorns In Existence“ aus dem Black Metal-Hype-Erfinderland, deren musikalische Basis zwischen traditionellem Black und Death Metal angesiedelt ist. Das ist jetzt noch nichts außergewöhnliches, in der verbreiteten gespenstischen Atmosphäre regiert die Schwärze, in der Rhythmik häufig der Tod, vom Songaufbau und musikalischen Ausflügen her geben sich Schwärze und Tod ausgesprochen progressiv und haben so manche kleine Überraschung und Wendung zu bieten, die „Thorns In Existence“ zu einem sehr eigenem und faszinierendem Werk machen. Während aber die Urgroßväter ARCTURUS theatralischer waren und <CODE> auf „Resplendent Grotesque“ wesentlich catchier zu Werke gehen, liegt die Betonung bei SULPHUR eher in der thrashigen Grundausrichtung der Gitarrenarbeit, fließende schwarzmetallische Gitarrenströme sind eher selten, Stakkato-Riffs und wilde Breaks deutlich häufiger eingeflossen. Der ausgesprochen saubere und transparente Sound ist bei der Vielschichtigkeit vielleicht nicht „true“, aber der Nachvollziehbarkeit der Songs ausgesprochen dienlich. Nicht nur als Silberling ist „Thorns In Existence“ eine runde Sache.
FAZIT: Wer seine Plattensammlung nach Stilen sortiert hat, wird es bei SULPHUR nicht leicht haben, das richtige Plätzchen zu finden. Die Mitte zwischen Black und Death und Progressiv ist vielleicht genau die Schnittmenge. (Vorausgesetzt man sortiert irgendwie dreieckig, obwohl fünfeckig natürlich korrekter wäre) Neben der aktuellen <CODE>-Scheibe ist „Thorns In Existence“ eine der besten Avantgarde-Scheiben der letzten Zeit.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.05.2010
Vegard Hovland
Thomas Skinlo Høyven
Øyvind Madsen, Eivind Huse
Øyvind Madsen
Erik Hæggernes
Dark Essence Records
44:27
19.03.2010