Einen komischen Namen haben sich die Schweden von THE MURDER OF MY SWEET da ausgesucht, als Schlagzeuger und Songwriter Daniel Flores sowie Sängerin Angelica Rylin 2006 zusammenfanden und die Band gründeten. Der Name beruht auf dem Film Noir "Murder, My Sweet" aus dem Jahre 1944 und wurde unter anderem deshalb gewählt, weil man mit der Musik eine ähnliche Stimmung erzeugen will, wie eben diese Filme. Ob es da sinnvoll ist, Musik zu machen, die mit der Kategorisierung "ziemlich genau zwischen KAMELOT und KRYPTERIA" abschließend beschrieben ist, sei mal dahingestellt.
Im direkten Vergleich fehlt THE MURDER OF MY SWEET aber die Dramatik und Bildhaftigkeit von KAMELOT und die Ohrwurmqualitäten von KRYPTERIA erreicht man nicht, ohne wie eine Kopie derselben zu klingen, am deutlichsten nachzuhören in "Storms Of The Sea", das wirklich frappierende Ähnlichkeiten aufweist. Auch die Stimme von Frau Rylin ist der von Ji-In Cho recht ähnlich, was aber kein Kritikpunkt sein kann. Dann eher die Tatsache, dass einem so ziemlich jedes bombastische Keyboard- und Orchester-Arrangement bekannt vor kommt, die Schweden haben stilistisch wirklich nichts zu bieten, was man nicht schon einmal gehört hätte. Als nachteilig empfinde ich auch, dass die Produktion zu keyboardlastig ist, die Gitarre klingt recht dünn und organisch geht in Sachen Sound auch anders.
Das alles wäre noch zu verschmerzen, wenn das Songwriting überzeugen würde, doch auch hier liegen THE MURDER OF MY SWEET qualitativ unter den genannten Vergleichsacts. Das als Single ausgekoppelte "Bleed Me Dry" ist noch der beste Song, der eingängige Opener oder das etwas düsterere "Follow The Rain" gehen auch noch in Ordnung. Wer es hardrockiger mag, könnte sich mit "One Bullet" anfreunden, "Chemical Attraction", "Revolution" und "Kiss Of Death" sind ebenfalls hörbar. Fürchterlich flach kommt "Tonight" daher und die grausam kitschigen "Destiny" und "Valerie" sind echte Rohrkrepierer. Und der Versuch, mit "Death Of A Movie Star" ein episches Werk im Sinne von "Bohemian Rhapsody" zu kreieren, geht auch ziemlich in die Hose.
FAZIT: "Divanity" klingt ingesamt nach mehr als es wirklich zu bieten hat. Handwerklich ist das sicherlich ganz ordentlich gemacht, allerdings fehlt der Band noch die eigene Identität und musikalisch heraushebende Merkmale. Wer sich daran nicht stört und ein besonderes Faible für die Stilrichtung hat, bekommt ein Dabütalbum, das sicher nicht schlecht ist, im großen und ganzen aber weitestgehend verzichtbar erscheint.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 29.01.2010
Johan Niemann
Angelica Rylin
Daniel Palmqvist
Andreas Lindahl
Daniel Flores
Frontiers Records
53:27
29.01.2010