Die vielgelobte unverfälschte und handgemachte Musik schießt sich als Argument zur Rechtfertigung von Bandexistenzen in den Rücken, wenn der Bedarf an selbiger mehr denn je gestillt ist. Was bleibt auf einem überfüllten Markt - gerade mit Hinblick auf den neuerlichen Blues-Aufwind - noch von der BLINDSIDE BLUES BAND übrig?
Ziehen wir "Freedom" mit reichlich HENDRIX zu Beginn ab, genauso wie "I'm Your Captain" von Mark Farner beziehungsweise GRAND FUNK RAILROAD, ROBIN TROWERs "I Can't Wait Much Longer" und Bonnie Dobsons "Morning Dew", dessen Interpretenliste bereits vor Bill Gressock und Schergen ellenlang war - ganz zu schweigen von den Legionen, die sich bereits an LED ZEPs "No Quarter" verhoben haben. Die BLINDSIDE BLUES BAND beschmutzt mit diesen Interpretationen nicht ihr eigenes Nest, ist jedoch andererseits weit davon entfernt, zu glänzen oder auch nur einen Hauch von Frische zu versprühen.
Am schwersten wiegt bei ihrer Bewertung indes die Tatsache, dass die Eigenkompositionen der Musiker recht blass bleiben und ihnen nicht zur Kür über die Blues-Pflicht hinaus gereichen - Authentizität hin, relative Beschränktheit des twelve--bar-Genres her. Dass es auch anders geht, beweisen in letzter Zeit nicht nur die jungen Wilden, die sowieso in aller Munde sind, sondern auch altgediente Herren, die sich nicht auf die Standards versteifen. BLINDSIDE BLUES BAND gehören nicht dazu.
FAZIT: Man muss selbst als Freund beherzter Gitarrenmucke nicht alles kaufen, was einem die Labels mit bereits gebrauchten Teebeuteln aufgießen. BLINDSIDE BLUES BAND spielen gefällig Standards runter, gegen welche ihre Eigengewächse schwach anmuten und eher einschläfern, als für erbauliches Blau zu sorgen.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 30.01.2011
Muddy Dixon
Bill Gressock
Bill Gressock, Mike Onesko
Emery Ceo
Grooveyard
70:20
28.01.2011