Minister mit erschummelten Doktortiteln. Tsunamis verwüsten ganze Landstriche. Explodierende Atomreaktoren. Terroristenführer werden mutwillig hingerichtet. Blutige Durchfälle. Freispruch für Kachelmann. Jemen, Syrien, Libyen. Menschen müssen hungern, andere wollen gar nichts essen. Der Marienhof wird abgesetzt. Die Flippers hören auf. Mord und Totschlag. Korruption. Mexiko. Mario Barth darf noch immer öffentlich auftreten, und und und. Da kann man schon fuchsig werden. So sind auch die Typen von BOOK OF BLACK EARTH aus Seattle mächtig angepisst. Lieber gleich selbst zur dunklen Seite wechseln und Feuer mit Feuer bekämpfen. Bei allen Antarcticas und Demons, welche der Bluthund "The Cold Testament" im Schlepptau führt, verbirgt sich doch überall die profane Feindseligkeit gegenüber dem Zustand der abgefuckten Welt und dem scheiß Schweinesystem. Das suggeriert auch die Musik.
Neben dem Frontbrüller vermute ich bei mindestens einem weiteren BOOK OF BLACK EARTH-Member eine Hardcore- resp. Punksozialisierte Jugendzeit. Deswegen muss das Ergebnis nicht Metal- oder Deathcore heißen. Sagen wir besser Death Metal von filigranen Punks. Ohne einen Kit-Kat-Break zuzulassen, wird unter heller Aufregung gebrettert, in einer Komplexität von auditoriumsfreundlicher Theorie. Der große Vorteil des Albums ist seine reichlich Schmutzpartikel zurücklassende Produktion. In Hochglanzgewand verlöre es erheblich an Charme und Substanz. Kein Riesending, das kalte Testament, aber ein feiner Springinsfeld. Stay angry, und demnächst bitte mehr Geschwindigkeit und mehr so schräge Leads wie in "I See Demons".
FAZIT: Wenn man die Schnauze gestrichen voll hat von Ungerechtigkeiten, die Plusminus wieder aufgedeckt hat, die Kontaktlinsen unverhofft in der Bahnhofslatrine schwimmen, dann legt man diese Platte auf und hat Bock auf Black Earth.
<span style="font-style: italic;">Ingo Bergmann</span>
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 08.06.2011
Ricky Way
TJ Cowgill, Rob Beebe
TJ Cowgill, Rob Beebe
Joe Axler
Prosthetic
36:33
24.05.2011