Grindcore hat einen grundsätzlichen Vorteil anderen Musikrichtungen gegenüber. Grindcore darf alles, nur nicht langsam sein. Betrachtet man die Grind-Veteranen BRUTAL TRUTH unter diesem Aspekt, dann machen sie auf Longplayer Nummer 6 seit 1992 alles richtig.
Leicht verdaulich war die Band spätestens seit „Sounds Of The Animal Kingdom“ ja nicht mehr, ihren Pfad aus Hochgeschwindigkeits-Attacken mit stressig dissonanten Gitarrenläufen setzt sie unbeirrt weiter fort. Es rappelt und scheppert mächtig in der Kiste, klassische Songs oder gar Melodien, die im Ohr bleiben, sucht man indes vergeblich. „End Time“ braucht mehrere Durchläufe, bis man das gebotene Gebolze halbwegs nachvollziehen kann, da die einzelnen Songs keine großen Unterschiede bieten und man unvermittelt statt Break schon bei der nächsten Eruption gelandet ist. Schräge Gitarrenläufe werden von Blast-Attacken abgelöst, der verzerrte Bass grummelt im Hintergrund und Kevin Sharp brüllt sich auch im fortgeschrittenem Alter noch respektabel die Seele aus dem Leib. Richtig hart werden BRUTAL TRUTH immer dann, wenn die Geschwindigkeit reduziert wird und die insgesamt drei langsamen Lieder zu fiesen Schleifern mutieren, die auch in Guantánamo hätten Verwendung finden können, was aber sicher nicht im Sinne der Band gewesen wäre. Außer den Vorstadtvillenalkoholikern METALLICA hat das meines Wissens auch keine Band für gut befunden. Abschließend bedrängt den Hörer noch eine viertelstündige Noise-Attacke namens „Control Room“, die in dieser Länge von mir aus nicht notwendig gewesen wäre.
FAZIT: BRUTAL TRUTH sind und bleiben BRUTAL TRUTH. Auf „Ende Time“ erfinden sie weder sich noch Grindcore neu und sind so faszinierend wie abstoßend zugleich. Dem Krachmaten wird die Scheibe das Herz aufgehen, dem Musikliebhaber aber entsetzt die Stop-Taste drücken lassen. Aber was wäre ein BRUTAL TRUTH-Album, das nicht polarisiert?
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.09.2011
Danny Lilker
Kevin Sharp
Erik Burke
Richard Hoak
Relapse Records
54:36
27.09.2011