Zitat aus der beiligenden Bandinfo: <i>„Die Groovekraft, die diese Band aus Wuppertal erzeugt, ist einfach nicht mehr normal.“</i>
Ist schon mal Blödsinn, denn „Dead Lights“ strotzt nur so von Normalität, und so kraftvoll sind die ohnehin nicht all zu präsenten Grooves nun auch wieder nicht.
Weiteres Zitat: <i>„BUT WE TRY IT servieren ein fieses Gebräu, nach dem man süchtig wird.“</i>
In etwa so süchtig wie nach der Verdauung, die auf exzessiven und gleichzeitigen Genuss von Chili con carne, Grünkohl, Sauerkraut, Zwiebeln, Trockenpflaumen und probiotischem Joghurt folgt. Fieses Gebräu? Pils mit Grapefruitaroma, DAS ist fies als der hier dargebotene, abgestandene Standardcocktail.
Und: <i>„Das punktgenaue Geballer macht keinerlei Gefangene. BUT WE TRY IT verstehen es gekommt, ihre dicken Riffwände mit kernigen Breaks, griffigen Melodien und schlau eingesetzten Moshparts zu durchsetzen.“</i>
Soll ich nun eine Liste mit Bands anfertigen, die all das deutlich besser und auch origineller auf die Kette bekommen? Okay, kann ich machen, aber bei Band numero 100 höre ich aber auf, klar?
Mal ehrlich: BUT WE TRY IT sind zwar durchaus fähig, nette und schlüssige Songs zu komponieren und wissen mit ihren Instrumenten umzugehen, aber worin liegt bitteschön der Sinn, sich derart gesichtslos durch Beinahe-Coverversionen von SLAYER, SOILWORK, DARK TRANQUILLITY, IN FLAMES sowie zig Neo-Metalcore-Bands zu rödeln? Die Band aus Nordrhein-Westfalen macht den Eindruck, sich mit diesem Longplayer auf Teufel komm raus in die Herzen ihrer Zielgruppen spielen zu wollen, selbst wenn sie auf ihrer eigenen Schleimspur ausrutschen.
Hierbei versagt sie leider fast völlig, denn vieles tönt einfach zu sehr nach „Stock im Arsch, was noch lange kein Rückgrat bedeutet“ (danke, Paul Panzer!), zu sehr nach Nacheifern, zu halbgar und stellenweise doch arg hölzern. Erschwerend kommt hinzu, dass Sänger Jörn mit seinen zwar variablen, aber in sämtlichen Disziplinen die Grenze zum Lächerlichen überschreitenden Vocals das Nervenkostüm zerfrisst wie abgerichtete Killermotten das Lieblings-SLAYER-Leibchen.
FAZIT: Nicht in der Stilmixtur liegt der Fehler, sondern in der völlig überraschungsfreien Ausführung. In multiplen Fahrwässern zu schippern rettet eben nicht vor dem Absaufen.
Punkte: 6/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 17.01.2011
Stefan Trautmann
Jörn Preidt
Tim Marxcors, Dominik Ballreich
Mark Brückmann
Massacre Records
40:25
28.01.2011