Der erste Eindruck ist bekanntlich der wichtigste. Und der hätte bei „Injection“ kaum schlechter sein können, vor dem inneren Auge habe ich schon einen Verriss und höchstens drei Punkte gesehen. Aber der erste Eindruck kann eben oft auch täuschen, also habe ich dem Album einige Zeit im Player gegönnt, bevor ich dann wieder ganz genau als Rezensist hingehört habe. Das Prinzip Death mit Industrial Elementen zu vermischen kann ja an sich richtig gut funktionieren. Kann. In diesem Fall aber bedeutet dieser Mix, dass die gesamte Scheibe zunächst mal großzügig mit Effekten überladen wird, was sich insbesondere beim Gesang besonders schmerzhaft bemerkbar macht.
Dabei klingen die ersten Sekunden des Titelsongs gar nicht so schlecht, was sich im weiteren Verlauf dann aber erübrigt. Der Gesang wechselt zwischen Growls, die sehr gerne böser und tiefer sein könnten, Klargesang, der großteils mit Effekten verzerrt ist und selteneren Shouts. Die ersten Lieder des Albums weisen ein sehr hohes Verwechslungspotential auf, was durch die fast dauerhafte Verwendung von Synthies und Standard-Riffs begründbar ist. Einzig „Break Out“ vermag hier etwas herauszustechen und kein ganz negatives Bild zu hinterlassen. „22nd Century“ präsentiert dann mit Sprechgesang ein weiteres Feld im Gesangs-Repertoire und doch noch etwas Abwechslung in sonst eher monotonen Klangwelt von MORS CORDIS.
Alles in Allem wären drei Punkte dann doch zu wenig. Punkte gibt’s für ein interessantes Cover, zumindest hin und wieder das Gefühl, im Takt mitwippen zu müssen und ein ansehnliches Zusammenspiel. Leider macht eine eher flache Produktion den massiven Einsatz elektronischer Elemente nicht wirklich besser.
FAZIT: Wer auf übertriebenen Einsatz von Effekten und Synthies steht, verbunden mit zugegeben abwechslungsreichem Gesang und Gitarrenspuren aus dem Kochbuch, wird dieser Kritik sicherlich widersprechen. Für mich war aber, zusätzlich zu den restlichen Schwächen, der „das hab ich doch gerade schon mal gehört“-Faktor deutlich zu hoch.
Punkte: 5/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.07.2011
Michael Pauli
Torsten Pfundt
Eddie Volkmar, Thomas Mielke
Lucas Zacharias
Torsten Pfundt (FX, Synthies)
Twilight
43:58
29.07.2011