Nach einem rund vierminütigen Intro donnern zeitgleich Bassdrum, Becken und eine tief dröhnende, verzerrte Gitarre in die klangliche Idylle, und nach wenigen Taktschlägen innerhalb nicht ganz so weniger Sekunden wird die Marschrichtung schnell klar: Mahlender, zäher Doom Metal, hier und dort mit Todeshauch.
Die musikalisch umtriebige Mandy Andresen, die hier statt des Nachnamens das Pseudonym „VKS Cattleprod“ benutzt, ist MURKRAT in Personalunion und performt bis auf die Drums, die Sessionschlagzeuger Neil Dyer beisteuert, auch alles selbst und scheint nicht gerade eine Freundin positiver Schwingungen zu sein. Die akustischen Auswüchse der Australierin basieren auf meist in Schneckentempo schleichenden Beats, welche von langen, offenen Akkorden flankiert werden. Hier und dort runden Klaviernoten oder gar Keyboardflächen das spartanische Klanggerüst ab, und so wird eine mystisch-beklemmende, unheilvolle, trist-schöne Grundatmosphäre geschaffen, die nur durch gelegentliche, fast bombastisch anmutende 6/8-Interludien aufgebrochen wird.
Sonderbar wird das über 70-minütige Monstrum aber erst durch Mandys Stimme, die zahlreiche Winkel der Dunkelheit ausleuchtet. Sie ächzt, sie klagt, sie leidet, hasst, schreit, schimpft verbittert, gröhlt wie ein Höhlenmensch, singt majestätisch, stapelt mehrere Stimmen zu sakralen Chören, flüstert, quengelt, kreischt, singt sanft und beschwören und erbricht ihren Schmerz. Mutiert von einer im Sterben liegenden Sabina Classen zu einer psychotischen Dolores O'Riordan, von einer depressiven Enya zur geistig gestörten Donita Sparks. Wie ein Chamäleon passt sie sich ihrer musikalischen Umgebung an.
FAZIT: Sofern man eine Schwäche für den eher rauen, lebensverneinenden, nicht immer harmonischen Doom Metal hat und auch den todesbleiernen Doom-Auswüchsen nicht abgeneigt ist, sollte man – mit viel mitgebrachter Geduld - ein Ohr riskieren.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.02.2011
Neil Dyer (Session)
Mandy „VKS Cattleprod“ Andresen (der ganze Rest)
Aesthetic Death
71:00
2011