In den 90er Jahren hat RUNNING-WILD-Boss Rock'n'Rolf in Interviews zu neuen Veröffentlichungen gerne einmal gesagt: "Mit der neuen Scheibe werden wir nicht viele neue Fans hinzugewinnen, aber mit Sicherheit auch keine verlieren." Man kann das jetzt nicht abschließend beurteilen, ob das gleichbedeutend mit "Sackgasse" oder "Stil gefunden" war - auf jeden Fall bekommt der geneigte Fan auf "Ravenlord", dem bereits siebten Album von MYSTIC PROPHECY, genau den Stoff geboten, den das deutsche Power-Metal-Outfit auch auf früheren Scheiben zelebrierte.
Und das bedeutet: düsterer, harter Power Metal, der zwischen schleppend (der Titeltrack!) und doublebasslastig ein breites Spektrum abdeckt, der sich mit geil sägenden Gitarren und der variablen, kraftvollen Stimme von Bandleader R.D. "Lia" Liapakis angenehm sowohl vom typischen Teutonen-Metal als auch vom Einheits-Melodic-Brei abhebt. VICIOUS RUMORS und Konsorten lassen grüßen, aber einen Tick dunkler, heftiger, zackiger, bissiger, böser. Und dazu - wie gewohnt - in ein brillantes Soundkorsett gestülpt, das jeglichen Mief direkt aus den Boxen bläst. Auch wie gewohnt: Nicht jeder der zehn Tracks (inklusive rasanter OZZY-Coverversion von "Miracle Man") ist ein Hit, unterm Strich aber ist "Ravenlord" ein grundsolides Album.
FAZIT: Sackgasse oder Stil gefunden? Der Verfasser plädiert für Letzteres. Fans von "Satanic Curses", "Savage Souls" oder "Fireangel" werden vermutlich eh direkt zuschlagen, aber vielleicht findet sich ja doch noch der eine oder andere Power-Metal-Anhänger, der die Band bisher nicht auf dem Schirm hatte und der das Eingangszitat von Rock'n'Rolf widerlegen möchte. Wer sieben Alben in gut neun Jahren auf stets konstant hohem Niveau veröffentlicht, der hat es verdient - egal, ob der Stil auf diesen sieben Alben nur marginal verändert wurde.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 24.11.2011
Connie Andreszka
R.D. Liapakis
Markus Pohl, Constantine
Tyronne Silva
Massacre Records
43:54
25.11.2011