Es ist immer wieder amüsant, wenn in den Beipackzetteln zu Alben Vergleiche in Form von Namedropping angestellt werden, denn diese sind manchmal so absurd und daneben wie Hoeneß' vergeigter 1976er Elfmeter, dass man sich fragt, wo die Verfasser der Texte ihre Ohren hatten, als sie das angepriesene Werk gehört haben.
Im Falle der Engländer SPIRES treffen es die genannten Parallelen zu CYNIC, EMPEROR, MASTODON und OPETH allerdings ziemlich gut, wobei meinereiner auch viel PSYCHOTIC WALTZ, NEVERMORE, FATES WARNING und DEATH (ab „Individual Thought Patterns“) wiederzuerkennen meint. SPIRES' Debüt ist dennoch kein klanggewordenes Fanboytum, denn schon alleine die Art und Weise, wie das Quartett seine Songs zusammenschraubt, ist reichlich eigen. Mal sind diverse Übergänge richtig schön fließend, dann wiederum stoßen einen die vier mächtig vor den Kopf – und das ist gut so.
Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Briten absolut unverkrampft agieren, egal, wie komplex die Strukturen der oftmals fast viertelstündigen Stücke sind, egal, wie virtuos manche Parts sind oder wie heftig mitunter gebrettert wird. Gitarrist Paul Sadler transportiert dieses Feeling bestens in seine stimmliche Arbeit – balladesk-sanfter Gesang, kernig-raues Heavy Metal-Timbre, heiseres Keifen und derbes Grunzen beherrscht er wie die jeweiligen Spartenprofis.
FAZIT: Hirnfick trifft auf Gefühl. Eigenständigkeit trifft auf hörbare Liebe zu den Inspiratoren. Komplexität trifft auf gutes, schlüssiges und doch überraschendes Songwriting. Kissenschlachten treffen auf knallharte Hiebe. Das Leben in diesem technicolorgefärbten Meer der Farben wird durch scharfe Kontraste noch intensiviert. SPIRES sorgen im Progressive Metal-Sektor für die Vitalität, die vielen etablierten Genrevertretern, die zu verkrampften Reißbrettsongschreibern verkommen sind, abspenstig geworden ist.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 20.02.2011
Alex Jolley
Paul Sadler
Paul Cuthbert, Paul Sadler
Chris Barnard
Eigenproduktion
65:13
01.11.2010