Die einheimischen STAGEWAR sind jung wie spielerfahren und haben dank ihrer Demovergangenheit kein amateurhaftes, indes bewusst gezügeltes Thrash-Album zusammengezimmert. Haben sie außerdem aus der Not (Herkunft, späte Geburt) eine Tugend (Albumtitel) gemacht? Spaß ist erlaubt, auch und vor allem am Musizieren, doch Albernheiten überlässt man anderen. So stellen sich etwaige Fragen (Originalität, Wellenreiten) bestenfalls zuallerletzt.
STAGEWAR verstehen sich auf sehr fließendes Songwriting sowie wunderbar verspielte Riffs und Solos, ohne bewusst technisch sein zu wollen. Die allzu trockene Produktion (sehr prominenter und kreativ gezockter Bass) gereicht ihnen nicht zur Schande und hebt sie angenehm vom corporate design der Szene ab. "Shellshock" dient als Anspieltipp: Tolle Solos, rotzig wie METALLICAs Erste und dementsprechend mit einem Bein im Punk platziert. "Last Line Of Defence" hackt im Anschluss kräftiger mit leicht enervierendem Refrain, der dafür umso nachhaltiger im Ohr bleibt. Die Dynamik der Songreihenfolge wirkt generell bewusst so ausgearbeitet, und das mitgrölbare "Mugcrusher" dient als treffliches Beispiel für den Metal-Entwurf des Quartetts: Roh, aber niemals aggressiv oder gar brutal. "The Scent Of Weakness" plätschert (Regentropfen im Hintergrund) als Halbballade dementsprechend überzeugend ins Ohr, denn den dicken Watz mimen die Musiker zu keiner Zeit.
Den Gegenpol hat man mit dem kräftigem Doublebass-Gewitter "Never Before" in der Hand, das ähnlich vehement wie "Sweating Blood" daherkommt. "High Expectations" ist einer der weniger offensichtlichen Hits und sprüht gen Ende hin vor Spielfreude. Das kräftige "Sheets Are Smoking" stellt mit seinem Groove den kolportierten Rock-'n'-Roll-Gestus tatsächlich in den Vordergrund, und wieder erfreuen die Soloeinlagen der Herren mehr als Dezius' immer leicht abweisend knorriger Gesang, der an CORONERs Ron Broder erinnert. "Manatarms" schließlich riecht ein wenig nach Standard-Teutonenmetal, wiewohl die Gitarrenarbeit dafür schon beinahe wieder zu unstumpf ist.
Wie gesagt: Hier wächst etwas weit Sympathischeres heran als all jene Combos, die auf Labels wie Earache debütieren und mit unter 20 "damals" dabei gewesen sein wollen.
FAZIT: STAGEWAR spielen an Thrash und Rock orientierten Metal (!) und behalten sich ihre Unverkrampftheit zugunsten schlicht stringenter Songs vor. Bei Neigung zu ebensolchen Sounds unbedingt verköstigen.
Punkte: 10/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 31.08.2011
James
Dezius
Dezius, Kimon
Oli
Vinterson Records / TS-Musix
41:35
26.08.2011