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Sungrazer: Mirador

Stil: Psychedelischer Post-Rock

Cover: Sungrazer: Mirador

Vom HAWKWINDe verweht, begibt sich eine holländische Band auf den musikalischen Trip durch die Höhen und Tiefen von Space-, Psychedelic-, Stoner und Alternative-Rock. Dabei loten sie die Grenzen der frühen Experimentierphase von PINK FLOYD genauso aus wie den finsteren, drogengeschwängerten BLACK SABBATH oder die härteren KYUSS-Reminizenzen. Wer solche Ausflüge in die Tiefen der menschlichen Gehörgänge unternimmt, der hofft auf einen kometenhaften Aufstieg, eben wie ein SUNGRAZER. Mit „Mirador“ gelingt dem holländischen Trio dabei ein deutliches Achtungszeichen zu setzen, das allerdings noch nicht leuchtet, aber immerhin schon hell flackert.

Ein wummernder Bass eröffnet das Album und nimmt den Hörer gefangen. Gesang erklingt, der einerseits recht cool, aber andererseits auch rotzig daherkommt. Ein gelungener Einstieg, zu dem auch die knarzigen Gitarren und abgefahrenen Synthies ihren beeindruckenden Anteil beisteuern.

Doch was ist das? „Octo“ rockt los – allerdings deutlich lauter als der erste Titel, so als hätte der Mann am Mischpult einfach mal die Lautstärke- und Bass-Regler etwas höher gedreht. Es wummert weiter – aber es fehlen die Höhen, die Momente, welche diesem mitunter breiigen Sound ein besseres Klangbild verpassen könnten. Wirkliche Stereo-Effekte gehen viel zu oft in dumpfer Musikalität unter, so als würde sich ein Gewitter nur über den Donner, aber nicht die Blitze ankündigen. Besonders ärgerlich erlebt man das, wenn man die Entscheidung trifft, „Mirador“ auch mal unter Kopfhörern eine Chance zu geben.

Eine besondere Stärke wiederum sind die herrlichen Psyche-Ausflüge, die das gesamte Album durchziehen und an die frühen Experimentierphasen von PINK FLOYD erinnern, als diese noch in den geheimnisvollen Untertassen nach den Pfeifern an den Toren des Sonnenuntergangs suchten. Das würde bestimmt auch einem SYD BARRETT viel Freude bereiten.

Das achtminütige „Sea“ wiederum bietet ganz ähnlich wie der längste Song „Behind“ (14 Minuten) fast klassisch zu nennenden Post-Rock, der vom Wechsel leiser, getragener Momente in regelrecht hammerharte Klangwände lebt, die in ein typisches 70er-Jahre-Hardrock-Gefühl übergehen, um am Ende wieder entspannt auszuklingen.

Und mit „Mirador“ schlägt dann wortwörtlich die Stunde des Schlagzeugers HANS MULDERS. Schnörkellos und voller sich steigernder Dynamik brettert die Nummer los und dem Album-Ende entgegen. Musik, die nicht gerade den Sonnenseiten des Lebens huldigt, sondern den Tiefen der menschlichen Abgründe.

FAZIT: Das zweite Album der holländischen Band SUNGRAZER hat musikalisch ein weites Spektrum zu bieten, das besonders die psychedelische Vielfalt des Post-Rocks auslotet, wobei die nicht immer gelungene, oftmals recht dumpfe Produktion wirkliche musikalische Höhenflüge verhindert.

Punkte: 9/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 03.09.2011

Tracklist

  1. Wild Goose
  2. Octo
  3. Sea
  4. Goldstrike
  5. Behind
  6. Mirador
  7. 34 & More ...

Besetzung

  • Bass

    Sander Much

  • Gesang

    Rutger Smeets, Sander Much

  • Gitarre

    Rutger Smeets

  • Schlagzeug

    Hans Mulders

  • Sonstiges

    Willem Philipsen (zusätzlicher Gesang auf "34 & More ...")

Sonstiges

  • Label

    Elektrohasch Schallplatten

  • Spieldauer

    48:22

  • Erscheinungsdatum

    19.08.2011

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