Dass auch Southern-Rock-Bands mit DVDs aufwarten, ist angesichts dieser vor allem live aufblühenden Stilistik mehr als notwendig. Die Hardlinern bestens bekannten BLACKBERRY SMOKE gefallen aktuell mit einer sehr professionellen, durch eingefügte O-Töne zudem überaus informativen Veröffentlichung, die nicht nur in diesem Genre als Untergrund-Referenz herhalten darf.
Wenngleich die Wahl des Drehorts – Atlanta, wo sonst? – nicht eben von Risikofreudigkeit zeugt, wurde das Unterfangen gestochen scharf und inklusive knalligem Ton mitgeschnitten. Die Schnittfolge zeugt von abgefeimten Kamerafüchsen und inszeniert die Gruppe sowie ihr Publikum prächtig. Das warme Bühnenlicht verpasst BLACKBERRY SMOKE einen heimeligen Anstrich, der zu ihren Hits passt. Dass die Band Standards aufwärme, behaupten nur Menschen, die wenig bis gar nichts mit Southern Rock am Hut haben. Ein Live-Release bietet sich stets als Werkschau und Standortbestimmung an, und das Quintett nutzt diese Chance. Dass die Zwischenparts den Flow nicht zerstören, spricht für die Produzenten.
Als Highlights fungieren eindeutig das epische „The Whippoorwhill“ sowie die Band-Visitenkarte „Up In Smoke“. Beim Traditional „Deep Elm Blues“ und während „Country Side Of Life“ (von Wet Willie) gibt sich Jim Hall ein Stelldichein, wohingegen „Restless“ einen Auftritt von Institution Zac Brown bietet, nicht zu vergessen dessen Kollege Clay Cook, den mancher bereits von Marshall Tucker und John Mayer her kennen mag.
Neben den Songs von „Little Piece Of Dixie“ schwelgt man auch in allerlei Altem und hübscht die betreffenden Stücke dank Neu-Organist Still geschmackvoll auf. So werden im gediegenen Rahmen auch Jams möglich, die die Stimmung (Stichwort: Family Entertainment) jedoch nicht zerstreuen. In dieser Form jedenfalls empfehlen sich BLACKBERRY SMOKE für internationale Bühnen.
FAZIT: Southern-Rock-DVDs sind selten und in diesem Fall auch schön: BLACKBERRY SMOKE zaubern über 100 Minuten lang vor optisch anheimelnder Kulisse und rechtfertigen ihr Dasein als spielstarke, herzliche und auch abseits der Region relevante Gitarrenband.
Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.02.2012
Rich Turner
Charlie Starr
Charlie Starr, Paul Jackson
Brandon Still
Brit Turner
Just For Kicks
105:30
13.01.2012