Parallel zu PEARL JAM musiziert Stone Gossard seit Beginn der Neunziger auch mit BRAD, wo ihm Regan Hagar und Shawn Smith von SATCHEL zur Seite stehen. Der Sound der Gruppe setzt sich auch nach dem Weggang vom Major Epic aus allem zusammen, was irgendwie „alternativ“ ist.
Smith ist jedoch zweifellos das Aushängeschild von BRAD. Seine zerbrechliche Stimme sowie die Art und Weise, wie er Keyboard spielt (vornehmlich mit Klavier-Klängen), lassen die Gruppe zum heißen Tip für Freunde von Piano Rock werden, der im Gegensatz zu COLDPLAY (höre vor allem „Bound In Time“) Schmiss und Eier hat. „A Reason To Be In My Skin“ tönt hingegen ähnlich wie „Last Bastion“ und „Through The Day“ nach Sehnsucht und Weite (Leads), im Ansatz aber (Schrammel-Riffs) positiv schroff.
Den „Diamond Blues“ und mit Abstrichen auch „Waters Deep“ könnte man sich wiederum auch von Jack White vorstellen, während „The Only Way“ mit Kling-Klang und Akustikgitarren an klassische Songwriter gemahnt. Das zarte „Make The Pain Go Away“ schert noch weiter in diese Richtung aus, wobei auffällt, dass Smiths Texte häufig zugunsten der Eingängigkeit im Vordergrund stehen – gut so, denn deshalb zehrt man länger von BRAD. Das beseelt gospelige „Needle And Thread“ zeugt von Altersweisheit, aber „Tea Bag“ rüpelt juvenil punkig hinterher, ohne einen gespaltenen Eindruck zu hinterlassen.
Wenn Gossard behauptet, er freue sich diebisch auf die Arbeit mit dieser Band, glaubt man es ihm mit „United We Stand“ im Ohr sofort – einer hübsch unprätentiösen und kompositorisch starken Scheibe amerikanischer Indie-Musik.
FAZIT: Zwischen aufgewecktem Grunge, Power Pop und althergebrachter Liedschreibe agieren BRAD auch weiterhin als verhinderte Allstar-Band unterm Radar der breiten Masse; angesichts dieses frischen wie von Abgeklärtheit zeugenden neuen Albums eine Schande.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 22.04.2012
Keith Lowe
Shawn Smith
Stone Gossard
Shawn Smith
Regan Hagar
V2 / Soulfood
44:21
27.04.2012