Eigenartigkeiten gibt es immer wieder: Da existieren BUCKET BOYS schon fast 20 Jahre, ohne hier auf dem Schirm erschienen zu sein, und dann orientieren sie sich noch recht stark an allem was unter dem Banner Americana musiziert – als Band aus dem Pott wohlgemerkt.
Ihre siebte Scheibe besticht gerade durch ihre Unauffälligkeit. Die Gitarrenparts zwischen Knopfler und allerlei Singer-Songwriter-Gezücht sind echte Hinhörer, die Vocals – bisweilen mit weiblicher Unterstützung – näselnde Geschmackssache, aber stets offenherzig und emotional. Deswegen erschließt sich vieles erst durchs Spitzen der Ohren, nicht der Querverweis auf URGE OVERKILL in "Daydreams", sondern eher das kompositorische Geschick der BOYS. Neben zahlreichen sachten Momenten haben sie auch Haken Schlagendes wie "Sweet Love" im Programm, dazu Schleicher wie "Santa Muerte“ oder das Titelstück, für die man die Band und insbesondere Michael Lange häufig zurecht mit dem verstorbenen holländischen Songwriter Herman Brood vergleicht.
Neben TexMex ("Tequila", ein ziemlicher Klamauk, was sonst?) bricht sich auch immer wieder der Funk im Sound der BUCKET BOYS Bahn, zu hören besonders in "Secret Life". Dass man die krachenden Gitarrenmomente an einer Hand abzählen kann ("I'm The Only", auch mit himmlischem Georgel) und nicht einmal etwas vermisst, spricht ausdrücklich für die Qualitäten dieser höchst originellen Band. Letztendlich erweist sich "Leavin' Gail" nämlich eingedenk der akustischen Bonustracks als sofort wiedererkennbare Scheibe voller entspannter, aber beileibe nicht willkürlicher Rockmusik.
FAZIT: BUCKET BOYS bestätigen ihren Status als Untergrund-Institution mit "Leavin' Gail". Wer die Jungs bisher nicht kannte und sich nicht allzu harte Wüstenmusik mit hörbar europäischen Wurzeln vorstellen kann, ist hier richtig.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.01.2012
Andreas Kehren
Michael Lange
Helge Lange
Michael Lange
Joe Vander
Bogey's Bar
54:29
27.01.2012