Eine schizophrene Mischung aus Introvertiertheit und Exzentrik ist das Herzstück des Debüts dieses norwegischen gemischten Trios. Grundsätzlich sind die Pianisten Anja Lauvdal, Kontrabassist Frederik Luhr Dietrichson und der Schlagzeuger Hans Hulbækmo im Kammerjazz zu Hause, doch anstatt selbstverliebt die Genrestandards vor sich hin zu spielen, öffnen sich die drei immer wieder anderen Genres.
Hier und dort ufert alles gerne auch mal in benachbarte Jazz-Genres aus, doch ebenso erinnern manche Parts an alte Filmsoundtracks, und in „Når det regnerischen på pressten drop det på klokkarn“ versucht man sich, so weit es mit dieser Instrumentierung möglich ist, sogar im Post Rock. Experimentell wird es gar in „Farlig norsk hengebru“, wo zwischen Swing, comichafter Atmosphäre und repetitiver, beinahe 70er-Spielshow-artiger Einlagen Ausbrüche stattfinden, bei denen sich alles anhört, als seien hier nicht nur drei Musiker am Werk, sondern eine Big Band.
„Daten derpå og veien tellbaksjatt“ hingegen könnte anhand seiner Ruhe fast als Bio-Ambient durchgehen, wären da nicht die herrlich durchgeknallten Attacken des Drummers Hans und seines Kontrabasskollegen Fredrik, der seinem Instrument nicht nur mittels Zupffingern, sondern auch beispielsweise mit einem Bogen wilde Töne entlockt. Da lässt es sich Tastenfrau Anja nicht nehmen, auch mal auf den Putz zu hauen. Und so ziehen sich die Überraschungen bis hin zum Albumende - jedes Mal, wenn man glaubt, nun habe die Band alles gesagt, holen die drei noch 'ne Schote raus und verblüffen den Hörer.
FAZIT: MOSKUS leben ihre Form des Jazz zwar auch mit viel Kopf, doch auch Herz und Bauch stehen dem zu gleichen Teilen gegenüber, sodass eine wohlig warme Atmosphäre durch den Raum füllt. Toller Einstand.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 21.11.2012
Hans Halb&adelig;mo
Anja Lauvdal (Klavier), Fredrik Luhr Dietrichson (Kontrabass)
Hubro Music
41:02
16.11.2012