Den Briten Daniel O'Sullivan werden unter unseren Lesern wohl hauptsächlich die Freunde experimentellerer Acts kennen, beispielsweise durch seine Zusammenarbeit mit ULVER, ÆTHENOR, MIASMA, MIRACLE oder den HEADLESS HORSES. Vier Jahre nach dem initialen Egotrip „The Flax Of Reverie“ war dem Insulaner nach einem erneuten solchen, und laut Bandinfo war er auch erst glücklich, nachdem er sämtliche Ideen restlos verpulvert hatte.
Im Grunde kann man O'Sullivans Soloprojekt MOTHLITE als einen Mix aus 50% der Quintessenz seiner zahlreichen Betätigungsfelder sowie 50% exklusiver Kreativa bezeichnen, denn hier und da ulvert, miasmiert, und ohnekopfpferdet es mächtig, dann wieder kommen Dinge zum Vorschein, die man so noch nicht von ihm kennt. Und obwohl die insgesamt elf Songs eine albumübergreifende Homogenität besitzen, ist die stilistische Bandbreite erstaunlich. Trip Hop, Ambient, Metal, Rock, New-, Dark- und No-Wave, Wave ohne alles, Drone, 80er Pop á la TEARS FOR FEARS, DEPECHE MODE und den EURYTHMICS, Electro, Prog, artifizielle Symphonik und gar Dubstep werden zu einem experimentellen Ganzen zusammengeschweißt, und vor all der Kleinstarbeit steht eines ganz klar im Vordergrund: Der Song.
Der gute Song, um es zu präzisieren, denn wenngleich die Stücke allesamt sehr introvertiert sind und auf den ersten Hör sperrig erscheinen, entfalten sie Durchlauf für Durchlauf. zunehmend einen speziellen Charakter und bohren sich ganz unbemerkt durch die Gehörgänge und werfen ihre spitzen Haken ins Langzeitgedächtnis.
FAZIT: Tituliert wird das MOTHLITE-Schaffen mit „Avantgarde Dark Pop“, und treffender kann man es eigentlich auch gar nicht definieren, denn sowohl als Entität als auch als Einzelbegriffe charakterisieren diese drei Termini diese famose kompositorische Leistung perfekt.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 14.05.2012
Daniel O' Sullivan (alles), Jonas Sellevold (auch bissi wat)
Kscope
46:55
14.05.2012