Musikalischer Freigeist wird bei Robert Neuber, dem „in Kolumbien aufgewachsenen, frankophilen deutschen Halb-Armenier“ und MUCHA GUEVA in Personalunion, groß geschrieben. Das wird schon während der ersten Handvoll Songs deutlich. „Maricón“, eine Mixtur aus den Muppets und den GYPSY KINGS, die gemeinsam eine Reise durch Mexico und Kuba unternehmen, eröffnet das bunte Treiben, welches mit „The All German Bobo Boy“ Fahrt aufnimmt.
So stelle man sich einfach mal vor, alte RED HOT CHILI PEPPERS, JAMES BROWN und AEROSMITH machen gemeinsame Sache. Stark an die INFECTIOUS GROOVES erinnert dann „Bunga Bunga Party Mucho Macho Man“, während man bei „Die Welt ist schlecht“ glauben könnte, SPORTFREUNDE STILLER, WESTERNHAGEN, TORFROCK und TOCOTRONIC würden sich Joint und Song teilen. Kamikaze-Chanson mit Ska-Einlage („En Vogue“), stolpernde BLUES BROTHERS („No Sister Would Shoot Me Lame“), Hawaii-Calypso-Liegestuhlsounds, simpler funky Rock, Soul, RAMMSTEIN meets Dixieland und Charleston, ja, es ist ganz schön viel los auf diesem 20 Tracks umfassenden Sammelsurium, und im Grunde gehört so viel Mut und Kreativität hoch gelobt.
Doch ganz so hundertprozentig mag die Performance des Multiinstrumentalisten noch nicht überzeugen, denn gerade gesanglich hätte Neuber noch um einiges mehr aus sich herausgehen können. Besonders in ruhiger angelegten Stücken wie „Water“ tönen seine Vocals eher zaghaft und „nebendran statt mittendrin“. Auch hätte der Vitalität des Albums vielleicht etwas mehr Input von „draußen“ gut getan, da sich alles manchmal ein wenig so anhört, als hätte es bei der Entstehung des Werkes keinerlei kritische Stimme gegeben und den MUCHA GUEVA-Protagonisten somit etwas betriebstaub werden lassen. Dritter Kritikpunkt ist die nicht ganz optimal drückende, leicht blecherne Produktion, die das Gesamtergebnis etwas der Professionalität berauben.
Das liest sich nun allerdings dramatischer, als es letztendlich ist, denn Neuber weiß den Hörer sehr gut zu unterhalten, überrascht in bis zum bitteren Ende stets aufs Neue – er hätte alles schlichtweg noch eine ganze Ecke besser machen können, was als Ansporn, nicht etwa als Demotivationsimpuls zu interpretieren ist.
Und in der Tat zeigt die freundlicherweise beigefügte 5-Track-Promo-EP „Homo Narcisstico In Narco Titty Wonderland“, die als Teaser für das Ende 2012 geplante nächste Album fungieren soll, schon Besserung auf sämtlichen Ebenen: Gesang, Sound und Bandfeeling. Und das, obwohl es sich nur um Demoaufnahmen handelt. Geht also.
FAZIT: MUCHA GUEVA respektive Robert Neuber ist ein ganz und gar interessanter Musiker, den man im Hinterkopf haben sollte. Denn langweilig geht anders.
Punkte: 9/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 16.02.2012
Robert Neuber (alles)
Eigenproduktion
59:05 (Album)/ 21:00 (EP)
2011