Diese Amerikaner sind auch schon fast zehn Jahre unterwegs und erweitern ihren Retro-Rock zwischen BLACK CROWES und „The“-Band-Gezüchten auf ihrem neuen Album um eine leichte Glam-Schlagseite … auch wieder im rückwärtsgerichteten Sinn: Bowie statt Bon Jovi, klar.
Sind der Titeltrack sowie „Telepathic“ (schön fieser Gesang, druckvolle wie schräge Klampfen) derselben Garage entwachsen, die Jack White vor längerer Zeit bezogen hat, besitzt „Baby Doncha Know Your Man?“ einen Hauch MC5, gepaart mit verträglichem Classic-Rock-Songwriting. „Pictures Of You“ erinnert vom Titel her natürlich an STATUS QUOs Erstling und steht den Sixties musikalisch mit seiner schummrigen Orgel nicht fern.
„Speed Dial“ kommt danach fast wie eine kratzige Songwriter-Ballade, gewissermaßen Elton John auf Acid, zumindest bis ROSE HILL DRIVE zum Ende hin experimentell herumlärmen. „Psychoanalyst“ ist der Hit der Scheibe, LED ZEPPELIN im Indie-Gewand, um es plump auszudrücken. Schließlich ist diese Band weit davon entfernt, Philosophie im Akustikgewand zu betreiben. Andererseits stellt sie mit ihren Kompositionen klar, dass sie keine musikalischen Windbeutel sind. „Your Mother's Jam“ gerät vom Spielerischen her nachgerade aufregend, weil ausufernd, während „Birds Against The Glass“ einmal mehr liedhaftes Lagerfeuer-Geschrammel auflodern lässt und das finale „Birthdays And Breakups“ locker drei Jahrzehnte in neun Minuten abfrühstückt – verhaltener Prog aus der Pionierzeit, Alternative der Neunziger und das Popverständnis der Eighties.
FAZIT: ROSE HILL DRIVE mögen in gewissen Kreisen eine Hipster-Band sein, doch diesen Ruf schütteln sie mit links ab, wenn sie solch gehaltvolle und keinesfalls zwischendurch bis zum raschen Wegwerfen goutierbare Lieder verzapften wie auf „Americana“. Wird man auch in mehreren Jahren noch hören können.
Punkte: 11/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 26.02.2012
Jimmy Stofer
Jacob Sproul, Daniel Sproul
Jacob Sproul, Daniel Sproul
Nate Barnes
The Organisation / Soulfood
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03.02.2012