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Rotzkotz: Much Funny

Stil: Punkrock

Cover: Rotzkotz: Much Funny

Das Label Sireena ist für Wiederveröffentlichungen der anderen Art bekannt, und so kommt nun Deutschlands erste selbst produzierte Punk-Platte mit Bonustracks zu CD-Ehren. Bekannt sind die Kerle vielleicht DIE-ÄRZTE-Hardlinern, die das Vinyl „Gettin' To None“ auf „1, 2, 3, 4 – Bullenstaat!“ gehört haben.

Die in England aufgenommene Scheibe von 1979 atmet klassischen Punkgeist und kratzt klanglich logischerweise arg fies. Dennoch legten ROTZKOTZ auf ihrem Debüt eine durch ihre Umtriebigkeit in der Hannoveraner Szene geschulte Musikalität am Tag, die sich manche spätere „Schlachtrufe BRD“-Combo gewünscht hätte. Eingedenk des überkandidelten Gesangs (Fistelstimme in „Peep Show“) erinnert man häufig an die Britenriege, weniger an die damals bereits zaghafte Schritte machende US-Hardcore-Szene. Dafür klingen Iggys STOOGES ein ums andere Mal an („Hurling“ – wie ROLLING STONES auf der Müllhalde, „Slicky Life“).

Nicht zuletzt deshalb dürften Fans neuzeitlicher Rotzrocker, so sie über den spärlichen Klang hinweghören, Gefallen an „Much Funny“ finden. ROTKOTZ schrieben klasse Stücke, die der Zeit standgehalten haben, was man von wenigen Deutschpunkern behaupten kann. Vor allem der Verzicht auf allzu bundesdeutsche Themen nach '45 macht dieses Album auch heute noch ohne Schamgefühl hörbar. Politisch waren die Knaben in ihren Texten nicht explizit, weshalb sie nicht nach Anachronismus klingen. Eingedenk der drei Livestücke eröffnen Sireena hiermit eine Schatztruhe für Historiker wie Punk-Eleven gleichermaßen.

FAZIT: „Much Funny“ schrieb deutsche Rockgeschichte, zumindest als Fußnote, und sollte jedem beflissenen Punkfan und Wurzelsucher bekannt sein. Hier erhaltet ihr die Gelegenheit zur Einfindung in einer Aufmachung, die sich sehenlassen kann.

Erschienen auf www.musikreviews.de am 12.01.2012

Tracklist

  1. The Disco Sound Is Dead
  2. Lunatic Chick
  3. Peep Show
  4. Jet Set Clown
  5. Hurling
  6. Lookaround
  7. Slicky Life
  8. We're The Rest
  9. Pressure Mark
  10. Punk Rocker
  11. Gettin' To None
  12. Goin' Made
  13. John Peel
  14. Yeah Yeah Rotzkotz
  15. Dieses Lied geht um die Welt – das war's

Besetzung

  • Bass

    Uli Scheibner

  • Gesang

    Ernst-August Wehmer

  • Gitarre

    Horst Illing

  • Schlagzeug

    Peter Köhler

Sonstiges

  • Label

    Sireena / Broken Silence

  • Spieldauer

    40:42

  • Erscheinungsdatum

    13.01.2012

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