Alternative Ethnic Rock - eine nicht uninteressante Stilbezeichnung, die neugierig darauf macht, was die in Italien ansässige Band SLEEPING EMPIRE auf ihrem ersten, halbstündigen Album "Mutiny" zu bieten hat. Völliger Nonsens ist jedoch die Labelinfo, SLEEPING EMPIRE wären was für Fans von SYSTEM OF A DOWN und DISTURBED, denn musikalisch hat man so gut wie nichts mit diesen Bands gemeinsam und auch qualitativ hinkt man ihnen noch ganz gehörig hinterher.
Als Haupttrademark werden mediterrane und nahöstliche Einflüsse genannt, die jedoch sind eigentlich nur in zwei Songs auszumachen und selbst dann nur vergleichsweise dezent in ein paar Harmonien. Über weite Strecken ist der Alternative Rock von SLEEPING EMPIRE zwar von einer melancholischen Note durchzogen, leider aber auch völlig durchschaubar und zu simpel strukturiert, um mit Nachdruck für sich zu werben. Sänger und Hauptkomponist Marco Yammine hat eine auffällige Stimme, die ein bisschen nasal-geknödelt wirkt und an Henning Wehland von den H-BLOCKX erinnert, oft übertreibt es Marco jedoch mit den Phrasierungen. Ganz, ganz schlimm und schier unerträglich wird es jedoch, wenn er diesen widerlichen Voicebox-Pitch-Effekt, der eine zeitlang in den Charts total angesagt war, einsetzt, der ruhige Song "Pitiful" wird davon dominiert und ist der erste von zwei Tiefpunkten auf "Mutiny".
Der andere ist "Susanna", ein mit Streichern und Klavier unterlegte, ultra-kitschige Ballade, die jeder Nicholas-Sparks-Leserin Tränen der Rührung in die Augen schießen lässt, normalen Menschen jedoch Zahnschmerzen wegen Überzuckerung verursacht. Angesichts der Tatsache, dass der Opener "Fill Me" ein ganz ordentlicher Alternative Rocker mit guter Mischung aus Fragilität und Härte ist und dass die beiden folgenden Songs "Take Him Away" und vor allem "Ignorant Girl" auf der gleichen Schiene zu gefallen wissen, ist der nachfolgende Qualitätsabfall auf "Mutiny" schon beinahe so dramatisch, wie SLEEPING EMPIRE ihre Musik gerne sehen würden. Lediglich das abschließende "Choice And Consequence", das tatsächlich recht orientalisch klingt, kann nochmal überzeugen.
FAZIT: Die nahöstlichen Elemente stehen SLEEPING EMPIRE gut und sollten ausgebaut werden. Auch ist die Instrumentierung durchaus gefällig, fehlt also "nur" noch ein Songwriting, das über Albumdistanz gehaltvoll ist. Ein paar ordentliche Ansätze sind aber zu wenig, um nachhaltig von sich überzeugen zu können.
Punkte: 7/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 07.05.2012
Michael Zychowicz
Marco Yammine
Davy Coutouly, Marco Yammine
Marco Yammine, Olivier Verger
Olivier Verger
Sounday
30:38
12.03.2012