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Soko Friedhof: Back To Schwarz Vol. I

Stil: Gothic Crossover

Cover: Soko Friedhof: Back To Schwarz Vol. I

Lange hat es gedauert, jetzt ist sie da, die Erkenntnis. Sieben, acht Jahre ist die Bekanntschaft mit den SOKO-FRIEDHOF-Songs "Blutrünstiges Mädchen" und "Blutsauger (Und du kommst…)" her und bisher hielt ich das Projekt von UNTOTEN-Mitglied David A. Line für ein albernes Klischee-Ding. Doch die ausführliche Beschäftigung mit dem neuen, mittlerweile elften Album "Back To Schwarz Vol. I" lässt erkennen, dass man vor allem eines nicht darf, nämlich SOKO FRIEDHOF ernst nehmen.

Auf bitterböse, zynische und bissige Art und Weise und mitunter grotesk überzeichnet nimmt David so ziemlich jedes Klischee, das man mit der Gothicszene verbindet, aufs Korn. Interessant dabei ist, dass eben jene Szene, über die er sich da lustig macht, ihm das jedoch nicht übel nimmt. Da stellt sich die Frage, ob das daran liegt, dass man sich in der Szene vielleicht selber nicht allzu ernst nimmt (was man jedoch durchaus bezweifeln kann) oder ob man schlicht und ergreifend nicht versteht, dass man hier verarscht wird. Wie auch immer der Fall gelagert sein mag - aus mehr oder weniger neutraler Sicht (der Schreiber dieser Zeilen fühlt sich eben jener Szene zumindest im Grunde zugeneigt), ist es durchaus amüsant, was auf "Back To Schwarz Vol. I" geboten wird.

Das liegt auch daran, dass David A. Line einen musikalischen Kurs fährt, der so einige Überraschungsmomente zu bieten hat. Ohne jegliche Scheu verarbeitet er Rap und HipHop, Funk und Soul der 70er und sogar Reggae und Dancehall in seinen Stücken, die trotzdem immer noch ins Raster "Gothic" passen. Das liest sich nicht nur krude, sondern klingt auch so. Dazu kommen noch "normale" Electro-Klänge, 80er-Sounds, ein paar Gitarren, technoide Sounds und eine Prise Neue Deutsche Todeskunst. Mitunter sind die Songs auch noch so unverschämt eingängig, dass es wirklich Spaß macht, ihnen zu lauschen. Allein schon die Kombination aus einer Melodie, die auch in der Instrumentierung an die "For You"-Version von THE DISCO BOYS erinnert und dem penetrant wiederholten "Ich kann meinen Schmerz nicht vergessen! Ich hab's versucht!" ist gleichermaßen penetrant wie auch herrlich lässig. Und die modulierte Donald-Duck-Stimme, mit der "Baby Evil" sich Gehör verschafft, ist eigentlich grober Unfug. In der Konsequenz, in der SOKO FRIEDHOF diesen Unsinn aber durchziehen, ist das überaus unterhaltsam.

In der zweiten Albumhälfte hat die Angelegenheit hier und da ihre Längen und man ertappt sich bei dem Gedanken, dass man es ja auch nicht übertrieben muss. Zudem besteht die akute Gefahr, dass sich die ganze Chose relativ schnell abnutzt, weshalb das Vergnügen wohl eher kurzer Dauer ist. Trotzdem ist es erst einmal eines, bei dem man aber mit dem gleichen Augenzwinkern zuhören muss, wie es David A. Line wohl bei der Produktion des Albums gemacht hat.

FAZIT: Ein bisschen Spaß muss sein.

Punkte: 10/15

Erschienen auf www.musikreviews.de am 05.03.2012

Tracklist

  1. Back To Schwarz
  2. Schmerz
  3. Baby Evil
  4. Der Tod will mit uns tanzen!
  5. Domina
  6. Runterschlucken
  7. Der alte Graf
  8. Schlag deine Zähne!
  9. Buffe
  10. In dieser Stadt
  11. Tod und Verwesung
  12. Grufti Sein
  13. Das war Mord!
  14. Nadeln
  15. Keine Türen!
  16. Alptraum
  17. Stadt2
  18. So leicht kriegt mich der Tod
  19. Geh Nachhaus
  20. Baby Evil (Mix)

Besetzung

Sonstiges

  • Label

    Von Grafenwald / Soulfood

  • Spieldauer

    63:44

  • Erscheinungsdatum

    09.12.2011

© Musikreviews.de