Richtig feinen Kopfkino-Jazz kredenzt uns das in München ansässige Trio SONIC DREI, bestehend aus den umtriebigen Musikern Florian Riedl, Peter Cudek und Martin Kolben, die sich in der Szene bereits allesamt einen guten Ruf erspielt haben.
Der Jazz, den das Trio spielt, beinhaltet zwar freie Elemente, doch im Grunde bleibt das Dargebotene im klassisch-verspielten Rahmen, mit schön schiefen Takten, turbulenten Eskapaden, sehr ruhigen Passagen, Soli jenseits der Selbstdarstellung, und besonders die extrem empathische Spielweise, die die drei hier an den Tag legen, macht den Hörspaß aus. Es ist eine Gaudi, wie sich die Musiker wie Vollprofis die Bälle sicher zuspielen und dabei mit Leichtigkeit, völlig unverkrampft, die ein oder andere akrobatische Einlage einbauen.
Dabei ist nicht mal der Song an sich wichtig. Vielmehr wollen der Schlagzeuger, der Kontrabassist und der Mann an Alt-Saxophon und Klarinette mit ihren Instrumenten die Grenzen des Machbaren ausloten, ohne dabei Plattformen für drei Egos zu schaffen - eher sind SONIC DREI eine Entität. Und diese erschafft mit ihrer Musik eine extrem cineastische Form des Jazz. Jeder Song ist ein kleiner Film, mit Bildern unterschiedlichster Stimmungen, scharfen und weichen Schnitten, themenbasiert oder aber auch fast chaotisch, wie ein akustikgewordener Thriller anmutend.
FAZIT: Freigeistiger Jazz für freigeistige Hörer, die Harmonie dennoch zu schätzen wissen.
Punkte: 12/15Erschienen auf www.musikreviews.de am 27.09.2012
Peter Cudek
Martin Kolb
Florian Riedl (Alt-Saxophon, Klarinette)
Unit Records
56:50
14.09.2012